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Friday, February 3. 2012
Plastic Jesus
Tito und die jugoslawischen Achtundsechziger
Von Zoran Solomun
Di, 07.02.2012 19.15-20.00 DLF Feature
Am 6. November 1972 wurde in Belgrad der 27-jährige Filmemacher Lazar Stojanovic¡ verhaftet. "Feindliche Propaganda" wurde ihm vorgeworfen und "verfälschende Darstellung der politischen Verhältnisse des Landes".
Zu diesem Zweck, so heißt es in der Anklageschrift, habe er "die Bildung einer Organisation von 29 Personen" betrieben, "um einen Spielfilm mit dem Titel "Plastic Jesus" zu drehen".
Stojanovic¡ wurde zu insgesamt drei Jahren Haft verurteilt, die er vollständig verbüsste.
"Plastic Jesus" war sein 70-minütiger Abschlussfilm an der Belgrader Filmakademie.
Stojanovic¡ vergleicht in seinem Film totalitäre Regime und zeigt Josip Broz Tito neben Adolf Hitler.
In der Geschichte Jugoslawiens hatte die "Affäre Plastic Jesus" große symbolische Bedeutung. Sie signalisierte auf unmissverständliche Weise, dass Tito keineswegs beabsichtigte, die bei den Studentenprotesten des Jahres 1968 geforderte Liberalisierung der Gesellschaft zuzulassen.
Anfang der 70er-Jahre begann der Kampf um den Erhalt des Machtmonopols, der zwei Jahrzehnte später mit dem Zerfall des Staates endete.
Die Ansichten der Arten oder: Was sagen die Tiere?
Von Frank Kaspar
Di, 08.02.2012 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Ein Gespräch unter Störchen: Man schnäbelt, stakst und klappert den neuesten Tratsch. Was gibt es da zu lachen? Hoffentlich nichts für die zwei seltsamen Vögel, die abseits heimlich lauschen! Wer lacht, vergisst das Zauberwort, das ihn zum Menschen zurückverwandelt.
So war das mit Kalif Storch und seinem Großwesir. Mensch bleiben, aber die Tiere verstehen, das wäre schön. König Salomo ließ sich seine Weisheit von den Vögeln flüstern.
Charles Darwin teilte sein Arbeitszimmer mit der Terrier-Hündin Polly.
Doktor Dolittle lernte 500 Tiersprachen von seinem Papagei.
Die verborgene Opposition
Iranische Studierende und die zweite islamische Kulturrevolution
Von Christoph Burgmer
Mi, 08.02.2012 22.05-23.00 SWR2 Feature
Während 2011 in vielen arabischen Ländern meist von der Jugend geführte Oppositionsbewegungen demokratische Umstürze initiierten, herrscht im Iran gespenstische Ruhe. Dabei war es gerade die iranische Studentenbewegung, die 2009 mit Massenprotesten ein Beispiel für die Nutzung neuer Medien im Widerstand gegen autoritäre Regime gab. Aber anders als in Tunesien oder Ägypten wurden die Proteste im Iran niedergeschlagen. Viele Studenten wurden ermordet, landeten im Gefängnis oder flohen ins Ausland. Und viele kehrten zurück an die Universitäten, ohne weitere Hoffnung auf demokratische Veränderungen. Es folgte die bis heute andauernde radikale Islamisierung des Bildungssystems. Schulbücher werden umgeschrieben, Bücher und Filme zensiert und verboten, Zeitungen und Zeitschriften geschlossen, Facebook und Twitter verboten. Nach 30 Jahren eine zweite islamische Kulturrevolution. Wie reagieren die Studierenden auf ihre totale Überwachung?
Mit Gangsta-Rap wirst du nicht alt
Von Hip-Hoppern, die keine bösen Jungs mehr sein wollen
Von Almut Schnerring und Sascha Verlan
Fr, 10.20.2012 20.10-21.00 DLF Feature
"CNN der Schwarzen", "Nachrichtenkanal aus den Vorstädten", "Sprachrohr der Minderheiten". Rap verspricht Authentizität, die ungeschminkte Wahrheit. Auf der anderen Seite ist Hip-Hop längst zu einem millionenschweren Wirtschaftszweig geworden, wo verkauft wird, was sich verkaufen lässt, vor allem das Image vom bösen Jungen mit Migrationshintergrund.
Dieses Image wurde zur Eintrittskarte in die große Aufmerksamkeitsindustrie. In diesem Spektakel ging jede Aufrichtigkeit verloren. Vergessen wurde auch, dass sich hier nur ein kleiner Teil der Rap-Szene präsentierte.
Wer sich nicht an diesem Spiel beteiligte, wurde schlicht übersehen. Rapper wie Yassir aus Frankfurt/Main beispielsweise, Jaysus aus Stuttgart, Ade Bantu aus Köln oder Gio di Sera, Gründer der Street-UniverCity Berlin.
Sie halten an den Idealen der Hip-Hop-Kultur fest und bemühen sich, die soziale Situation in ihrem Umfeld zu verändern. Sie wollen nicht, dass alle Welt nur noch von Ghetto, Gangstern und Gewalt redet, wenn von Rap die Rede ist.
Heimatraum. Heimattraum.
Eine Revue in D-Moll
Von Ursula Rütten
Sa, 11.02.2012 18.05-19.00 DR Kultur Feature
Willkommen zwischen Maas und Oder, Hallig und Watzmann, Penthaus und Plattenbau. Im nationalen Laboratorium für Artenschutz in kontrollierten Soziotopen mit multikulinarischer und globalisierter Brauchtums-Vielfalt.
Mit Streiflichtern über Gemüt und Gemütlichkeit, über mentale Reflexe auf das Eigene, das Fremde, das Andere. Eine Exkursion auf Seitenpfaden durch Stammesland und Grenzgelände.
Die Feldforscherin, auf der Suche nach der deutschen Seele, flaniert über ein rosa Straßenfest, schürft im Erzgebirge nach verlorener Lebensmitte, lauscht Kölner Edelweißpiraten, japanischen Isarmärchen sowie Patriotismusexperten mit und ohne Stammbuch.
Diskurs: "Radioortung" - Hörspiele für Selbstläufer
So, 12.02.2012 00.05-1.00DR Kultur Freispiel
Von September 2010 bis Oktober 2011 veranstaltete Deutschlandradio Kultur mit den koproduzierenden Künstlergruppen sowie den Koproduzenten Deutsches Theater Berlin, Hebbel am Ufer und Schauspiel Köln die Handy-Hörspielreihe "Radioortung - Hörspiele für Selbstläufer" (www.dradio-ortung.de).
Mit dem Ziel, die Technik des mobilen Internet für künstlerische Radioprojekte zu untersuchen, entwickelten die Künstlergruppen LIGNA, Rimini Protokoll und Hofmann&Lindholm ortsbezogene Handy-Hörspiele für öffentliche Räume in Berlin und Köln: Auf Internet-Karten sind Hörspielfragmente als Audio-Dateien abgelegt, die im Netz, aber auch im Stadtraum über GPS-Handys gehört werden können.
Im Gespräch mit der Freispielmoderatorin Annette Schäfer stellen die Projektleiterin Katrin Moll und die beteiligten Künstler die Hörspiele vor und ziehen ein Fazit: Wirkte das Ausloten der mobilen Technologie erweiternd auf die Formenvielfalt des Hörspiels?
Wie kann man nach den Erfahrungen von "Radioortung" künstlerische Radioformen und Internet zusammendenken?
Annette Schäfer, geboren 1959, Kulturwissenschaftlerin und Autorin. Moderiert u.a. die Sendung "Freispiel" auf DKultur.
Katrin Moll, geboren 1973, Medienwissenschaftlerin, Autorin und Dramaturgin, Projektleiterin von "Radioortung".
Zarathustra 2.0
Die Perfektionierung der menschlichen Spezies
Von Gabi Schlag
So, 12.02.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Die alten Griechen haben ihn verehrt, Voltaire war er heilig, Nietzsche hat ihn zum Gott erhoben und wir haben ihn jetzt: den Übermenschen. Regenerative Medizin, Brainreading und Anti-Aging machen es möglich. Ersatzorgane werden gezüchtet oder gedruckt, Gehirne emuliert und auf menschliche Rohlinge übertragen, Out of Body Experiences beweisen, dass man das menschliche Bewusstsein übertragen kann. Doch der künftige Mensch wird ein Mensch ohne Gott sein, denn die Hirnforscher haben bewiesen, dass das Denken auf reiner Materie basiert und jede Form der Religion eine Wahnvorstellung ist.
Das Feature reflektiert die neuen Möglichkeiten der Verschiebung oder gar Überwindung menschlicher Endlichkeit aus historischer, philosophischer, soziologischer, vor allem aber ethischer Perspektive neu. In reportageartiger Form werden die neuen Möglichkeiten von Biotechnologie und Humanmedizin vorgestellt, denen literarische Utopien gegenüber gestellt werden, die längst von der faszinierenden und zugleich verstörenden Realität eingeholt sind. Doch ist ein Leben in einer komplett entzauberten Welt überhaupt noch lebenswert?
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Monday, January 30. 2012
Tango auf dem sinkenden Schiff
Ein Rückblick auf Argentiniens Staatsbankrott
Von Patrick Batarilo
Di, 31.01.2012 19.15-20.00 DLF Feature
Es ist viel die Rede von Staatsbankrotten. Griechenland kann es treffen, Portugal und wer weiß, wen noch in Europa. Die Ängste sind groß. Aber was passiert wirklich während eines Staatsbankrotts? Wer bezahlt welchen Preis? Und wie geht es weiter? Die Argentinier können darüber einiges erzählen.
Als ihr Land vor gut zehn Jahren dem Bankrott entgegenschlitterte, mussten um die Banken angesichts wütender Demonstranten Stahlzäune gezogen werden.
Viele Argentinier schrieben ihr Land ab und wanderten aus.
Doch Argentinien hat den Staatsbankrott 2001/2002 überlebt.
Zwar waren die Opfer hoch, bis heute ist die Inflationsrate zweistellig.
Doch für manche war der Bankrott auch eine Chance.
Brukman etwa, eine Firma für Männerbekleidung in Buenos Aires, überstand die Krise, weil die Arbeiter die Firma übernahmen - zuvor hatten die Familieneigentümer das sinkende Schiff verlassen. Heute läuft das Geschäft so gut, dass die Firma Aufträge ablehnen muss.
Hyänen
Von Peter Leonhard Braun
Mi, 01.02.2012 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Ein Klassiker der Featuregeschichte: Als der Autor Peter Leonhard Braun und der Toningenieur Dieter Großmann am Rande des Ngoro-Ngoro-Kraters in Tansania ankamen, besaßen sie als einzige Weiße die Erlaubnis, eine Zeit lang innerhalb der am dichtesten besiedelten Tierwelt der Erde zu leben.
Ihr Auftrag war, das Jahrhunderte alte Bild von der Hyäne als feigem Aasfresser akustisch zu widerlegen. 21 Nächte lang folgte ein zum Aufnahmewagen umfunktionierter Landrover den Steifzügen der Hyänen. Das Resultat: Eine Reportage von akustischer Brillanz und zoologischer Einmaligkeit.
Peter Leonhard Braun, geboren 1929 in Berlin. Autor, Regisseur und Leiter der Feature-Abteilung des SFB von 1974 bis 1994, ein Pionier des "akustischen Films" und des Radio-Features. 1973 Prix Italia für "Glocken in Europa". Organisator des Prix Europa und der Internationalen Featurekonferenz. 2007 erhielt Peter Leonhard Braun den Audio Luminary Award für sein Lebenswerk. Der Preis wurde beim Third Coast Festival in Chicago vergeben.
"Wir zahlen nichts mehr!"
Die "Jungen Verzweifelten" in Griechenland
Von Marianthi Milona
Mi, 01.02.2012 22.05-23.00 SWR2 Feature
Während die Reformversuche des griechischen Staates um die Bekämpfung des drohenden Staatsbankrotts die politischen Entscheidungen immer ungerechter für den griechischen Bürger aussehen lassen, macht sich auf den Straßen und Vierteln der Großstädte die Protestbewegung der "Verzweifelten" zum Widerstand breit. Doch es ist ein anderer Widerstand als der, den man von Griechenland bisher kannte. Dieses Mal wollen die Aktivisten die griechische Bevölkerung mit friedlichen Mitteln zum Protest gegen die, wie sie sagen, "unmenschlichen Reformen" aufrufen. Sie wollen mit ihrem Protest keine Politik machen, er ist vielmehr der verzweifelte Ruf einer sich missverstanden fühlenden Gesellschaft, die um ihre Würde und ihre Anerkennung in der europäischen Gemeinschaft ringt. Ihre persönlichen Geschichten stehen damit paradigmatisch für jeden Bürger Europas, der in den Strudel machtökonomischer Interessen geraten kann und ohne die Hilfe von außen nicht überleben wird.
Klavier spielen
Ilse von Alpenheim und der Weg zum schönen Klang
Von Sibylle Tamin
Fr, 03.02.2012 20.10-21.00 DLF Feature
"In Marcel Prousts Fragebogen findet sich auf die Frage, was möchten Sie gerne können, häufig die Antwort: Klavier spielen. Warum Klavier spielen? Was steckt hinter dieser Sehnsucht?"
"Ilse von Alpenheim ist 84 Jahre alt. Sie war bis in die 1970er-Jahre weltweit als Pianistin aufgetreten und hatte mit 80 noch einmal eine CD zu Wohltätigkeitszwecken eingespielt: Mozart, Haydn, Schumann, Chopin und Brahms.
Ein Spiel, klar und unprätentiös, von feinem schönen Klang, in das ich mich so nachhaltig verliebte, dass ich sie kennenlernen wollte, diese Klangvirtuosin.
Mein Klavierspiel hatte ich längst aufgegeben, das Instrument verkauft und war von dem Geld in die Karibik gereist. Seit Kurzem jedoch besitze ich wieder ein Klavier und habe zu üben begonnen.
Ilse von Alpenheim lud mich zu sich ein in die Schweiz, und während draußen auf der Wiese die Schafglöckchen bimmelten und am Horizont die Schneeberge standen, erzählte sie, wie dieser alte Traum vom Klavierspielen-Können Wirklichkeit werden kann, wie, mit welchen Konsequenzen, welchen Gewinnen und Verlusten. Sie begann, mir ihr Leben zu erzählen." (Sibylle Tamin)
Hungersmord
Von Franziska Dorau
Sa, 04.02.2012 13.05-14.00 BR2 radioFeature
Holodomor - Über den Hunger des Jahres 1933.
Eine ukrainische Ausgrabung
"Geheimnisse" lautet der Name eines Spiels, das in der Ukraine von kleinen Mädchen gespielt wird. Sie graben ein Erdloch, füllen es mit bunten Fundstücken, bedecken es mit einer kleinen Glasscheibe und schütten es wieder zu. Am nächsten Tag kommen sie zu dem Versteck zurück und sehen sich den Schatz unter der Scheibe an. Auch ihre Großmütter haben es so gemacht - mit den bunten, christlichen Ikonenbildern, die sie vor der Zerstörung durch die Sowjetmacht bewahren wollten. So beschreibt es die ukrainische Schriftstellerin Oksana Sabuschko.
In der Sowjetunion durfte vieles nur im Geheimen bewahrt werden. Auch die Erinnerung an dreieinhalb bis vier Millionen Hungertote, die Stalins Kollektivierungspolitik Anfang der 1930er Jahre gefordert hat. Die Beschlagnahmung von Ernten und Vieh sollte die Bauern ihrer Lebensgrundlage berauben und sie zum Eintritt in die Kolchosen zwingen. Sechs Jahrzehnte lang war es bei Strafe verboten, über den "Holodomor" - wörtlich übersetzt: Hungersmord - zu sprechen. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine wurde er zum Völkermord an den Ukrainern erklärt. Inzwischen wurde er erneut uminterpretiert: als "gemeinsame Tragödie der ehemaligen Sowjetvölker". Auf einer Reise durch die Zentral- und Ostukraine hat die Autorin Überlebende befragt.
Von einem, der auszog, den Tod nicht zu fürchten
Geschichten vom Leben und Sterben
Von Karla Krause
Sa, 04.02.2012 18.05-19.00 DR Kultur Feature
Der Alte St. Matthäusfriedhof in Berlin-Schöneberg. Fünf Gräber, fünf Geschichten, alle unverwechselbar, aufwühlend. Tonangebend: Bernd Bossmann, alias Ichgola androgyn, Polit-Tunte, Krankenpfleger, Schauspieler, Gastronom, Bestatter, der vom Tod als "Silvester des Lebens", als dessen absolutem Höhepunkt, überzeugt ist.
Kontrapunktisch dazu die Mutter, die um den Sohn seit Jahren im Internet trauert. Dann das junge Paar mit seinem "Sternenkind" und die MS-Kranke, die sich nach Ruhe unter ihrem Grabstein sehnt.
Die Autorin trägt die Begegnungen vom Friedhof ans Grab ihres Liebsten, um mit ihm im Gespräch zu bleiben.
Schnee - Geschichten einer Leidenschaft
Von Sibylle Tamin
So, 05.02.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
So schön der Schnee ist! Von Innen nach Außen betrachtet: immer. Und Winter- und Wintersportbegeisterte bangen um ausreichenden Schnee für ihre Leidenschaft. Denn Schnee wird rar. In den Schweizer Alpen wird bis zum Ende des Jahrhunderts ein Schneefallrückgang bis zu 80 Prozent prognostiziert. Kahle Aussichten. Schnee, also bald eine Geschichte der Vergangenheit? Auf alle Fälle Zeit, über Schnee zu sprechen, meint Sibylle Tamin und erzählt eine Familiengeschichte, die im Schnee beginnt und im Eis endet. Da persönliche Geschichten nicht nur literarisch erzählt werden, sondern im Kontext von gesellschaftlicher Entwicklung, Kulturgeschichte und Geschichte überhaupt stehen, verknüpft Sibylle Tamin alle miteinander. Da lässt sie auch die Geschichte vom Tod Robert Walsers nicht aus, der bei einem Weihnachtsspaziergang in den Hügeln von Herisau im Schnee stirbt.
Der Karl Marx der Musik, die Denunzianten-Lady und der gefährlichste Terrorist der Welt
Die Eislers – eine Ausnahmefamilie
Von Henry Bernhard
So, 05.02.2012 18.05-19.00 hr2-kultur | Feature
In dieser Familie ging es zu wie in Shakespeares Königsdramen. Und wenn sich die Geschwister Gerhart Eisler, Hanns Eisler und Ruth Fischer auch nicht umbrachten, so kamen ihre Verleumdungen mindestens einem Rufmord gleich.
Dabei waren sie sich durchaus ähnlich: antibürgerlich, kommunistisch gesinnt und von hoher Intelligenz. Hanns schrieb das Einheitsfrontlied, Gerhart wurde Revolutions-Exporteur der Komintern und Ruth fast zur ersten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands - wenn Stalin sie nicht daran gehindert hätte.
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Wednesday, January 18. 2012
Rutkas Tagebuch
Von Steffen Moratz
Mi, 18.01.2012 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Rutka Laskier gilt vielen als "polnische Anne Frank": Das jüdische Mädchen schrieb 1943 ein Tagebuch. Sie wohnte damals in Bêdzin, einem kleinen Ort in der Nähe von Kattowitz. Vor ihrer Deportation ins Lager Auschwitz-Birkenau übergab Rutka das Tagebuch ihrer Freundin Stanislawa Sapiñska, die es über 60 Jahre zu Hause aufbewahrte.
Als einziger der Familie hatte Rutkas Vater den Holocaust überlebt und nach dem Krieg in Israel eine neue Familie gegründet.
So bekam Rutka posthum eine Halbschwester: Zahava Scherz in Tel Aviv.
Erst Jahrzehnte später erfuhr sie von Rutkas Tagebuch.
Es erschien erstmals 2006 in polnischer Sprache.
Eine Hochzeitstorte für das Prinzenpaar
Von der Sehnsucht nach Preußen
Von Eva Maria Götz
Fr, 20.01.2012 20.10-21.00 DLF Feature
Ein pensionierter Banker gründet ein Museum wider das Anti-Preußentum. Ein Kaufmann widmet sein Leben der Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses. Eine Potsdamer Geschäftsfrau backt eine symbolische Hochzeitstorte und feiert mit anderen Verehrern der Hohenzollern im eigenen Garten die Vermählung des jüngsten Prinzenpaars - leider in dessen Abwesenheit.
Ein Historiker widmet sich der Geschichte eines untergegangenen Staates - und studiert auch die Kochrezepte vom Hofe der alten Preußen.
Vor 65 Jahren, 1947, wurde der Staat Preußen aufgelöst - der Begriff "preußischer Geist" hat sich gehalten, und er werde, so klagen Preußennostalgiker, zu oft als "Ungeist" konnotiert.
Nicht nur die Verehrer Preußens verweisen auf ein Land mit klaren Regeln, dauerhaften Werten, fester Hierarchie und der Toleranz Friedrichs II. Zum 300. Geburtstag des Alten Fritz werden seine Jünger zu Hochform auflaufen.
Stevia
Das süße Kraut und die Multis
Der Coup mit dem Indianerzucker
Von Gaby Weber
Sa, 21.01.2012 13.05-14.00 BR2 radioFeature
Erst war die Stevia in Europa verboten, jetzt hat es Brüssel doch zugelassen. Das Agrobusiness will nun ganz groß einsteigen. Stevia ist ein natürlicher Süßstoff – es hat keine Kalorien, ist für Diabetiker geeignet und schadet den Zähnen nicht.
Die Stevia stammt aus Paraguay, und die indigenen Völker Südamerikas haben mit ka´ahé, dem „süßen Kraut“, schon immer ihren Matetee gesüßt. Lange Zeit war die Stevia nur einigen Insidern bekannt, die sie von ihren Reisen nach Südamerika mitbrachten oder auf dem Balkon anbauten. Mit nur ein bisschen Marketing hätten die Latinos mit diesem natürlichen Wundermittel den europäischen Markt erobern können. Doch Ende der neunziger Jahre verbot die EU sämtliche Steviaerzeugnisse als Lebensmittel oder Lebensmittelzusatzstoff. Zwar konnten keine negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit nachgewiesen werden, doch über zehn Jahre lang schmorte die Zulassung in Brüssel. Erst nach einem Antrag des Agrarmultis Cargill und der European Stevia Association (EUSTAS) kam Bewegung in die Sache. Auf früheren Tabak-Feldern soll künftig die Stevia angepflanzt werden. Für die Lateinamerikaner ist vermutlich der Zug abgefahren. Ein klassischer Fall von Biopiraterie.
Von Abu Ghraib nach Marienfelde
Ursendung: Die zwei Leben des Abu Atab
Von Giuseppe Maio
Sa, 21.01.2012 18.05-19.00 DR Kultur Feature
Baghdad 1981. Ein absurder Verdacht bringt den 17-jährigen Schüler Abu Atab ins Gefängnis. Aus dem Missverständnis wird ein Albtraum: neun dunkle Jahre in Abu Ghraib.
Zahllose Hinrichtungen geschehen vor seinen Augen, doch er selbst kann dem Tod von der Schippe springen. "Gott hatte mit mir noch etwas vor."
Heute ist Abu Atab deutscher Staatsbürger und lebt in Berlin-Marienfelde.
Aber er traut seinem Glück nicht. Zwar hat er jahrelange Folter und auch die Todeszelle überlebt, doch seine Erinnerung hält ihn weiterhin gefangen.
"Die Haut juckt. Selbst die Zähne jucken." Im Schlaf kratzt er sich wund.
Er muss erzählen. Um die alten Geister zu bannen, muss er die Geschichte seiner zwei Leben immer wieder erzählen.
Am liebsten im Gehen, auf seinen langen Spaziergängen durch die Stadt.
An die Wand geklatscht
Eine kleine Kulturgeschichte des Frosches
Von Rolf Cantzen
So, 22.01.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Der Frosch. Als schön galt er nie. Es gab nur die Hoffnung, dass sich hinter der Hässlichkeit ausgesprochene Schönheit und finanzielle Anziehungskraft verbarg. So jedenfalls im Märchen. In der Wirklichkeit unerreichbar. Im Mittelalter galt der Frosch in der Theologie als teuflisches Wesen. Er machte so viel Krach und strömte unangenehmen Geruch aus. Die Neuzeit fand auch nichts Besseres am Frosch. Dann wurde er im 19. Jahrhundert im Labor zum Versuchstier. Heute geht die Froschpopulation zurück und der Frosch ist Symbol für den Rückgang der Artenvielfalt und nicht nur das, der Frosch wurde zum Umweltschützersymbol.
Edwin Geists „Tagebuch für Lyda“ 1942
Von Reinhard Kaiser
So, 22.01.2012 18.05-19.00 Hr2 Feature
Als die zuständige Nazi-Behörde dem „halbjüdischen“ Berliner Komponisten Edwin Geist 1937 das Komponieren verbietet, flieht er nach Litauen, verliebt sich dort in die jüdische Pianistin Lyda und heiratet sie. Doch vier Jahre später besetzen die Deutschen das Land.
Geist muss mit seiner Frau ins Ghetto. Nachdem er wieder freigekommen ist, setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um auch seine Frau aus dem Ghetto zu holen. Wie ihm das gelingt, davon handelt sein Tagebuch für Lyda. Die Geschichte einer großen Liebe, die für beide kein gutes Ende nimmt.
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Monday, December 19. 2011
"Werden Sie Soldat in der Einsatzarmee!"
Der Kampf der Bundeswehr um Nachwuchs
Von Anja Kempe
Mi, 21.12.2011 22.05-23.00 SWR2 Feature | SWR2 extra: Deutschlandreise
Große Werbe-Trucks ziehen über Land. In neuem Glanz, wie ein modernes Wirtschaftsunternehmen, möchten sich die deutschen Streitkräfte präsentieren. "Nicht nur Siemens oder die Telekom, auch wir haben was zu bieten, gute Bezahlung, Herausforderung und Abwechslung, einen sicheren Arbeitsplatz!" Die Truppe trommelt, was das Zeug hält, denn es werden erhebliche personelle Engpässe befürchtet. "Das Image der Bundeswehr muss gravierend verbessert werden", mahnt das Verteidigungsministerium mit Blick auf die Einsatzverpflichtungen der Zukunft. Zeit- und Berufssoldaten können nicht mehr aus dem Pool der Wehrpflichtigen gewonnen werden, und für den Freiwilligendienst interessieren sich nicht einmal ein Prozent der Jugendlichen, um die sich die Bundeswehr aktiv bewirbt. "Für einen Abgesang ist es noch zu früh", beschwichtigen interne Militärexperten, die an einer Studie arbeiten: Wie konkurrenzfähig ist der Soldatenberuf im Kampf um qualifizierten Nachwuchs? Doch von der Hardthöhe beauftragte Unternehmensberater bescheinigen dem Arbeitgeber Bundeswehr einen "eklatanten Makel", den Wettbewerbsnachteil Auslandseinsatz.
Wo die Löwen weinen
Von Heinrich Steinfest
Do, 22.12.2011, 22.03 Uhr, ca. 55 Min.
Teil 1: Der Bahnhof oder Eine Maschine macht Ärger
Do, 29.12.2011, 22.03 Uhr, ca. 55 Min.
Teil 2: Kopfschuss oder Ein Hund steht still
Sa, 31.12.2011, 20.15 Uhr, ca. 45 Min.
Teil 3: Die schwäbische Madonna oder Der Mann auf dem Seil
SWR2 Hörspiel
Der Stuttgarter Krimi-Autor Heinrich Steinfest gibt sein Hörspieldebüt mit einem Hörspiel nach seinem Roman "Wo die Löwen weinen":
Kommissar Rosenblüt, ein in die Jahre gekommener und elitärer Kriminalist, hat dem lieben Gott versprochen, nie wieder nach Stuttgart zurückzukehren. Bis sich die Lage im Stuttgarter Kessel zuspitzt und er von seinem Dienstort München abberufen wird: "Kaum kam ich nach Stuttgart, geriet ich an den Rand einer Demonstration. Überraschende Proteste in einer Stadt, deren Bürger sich über so lange Zeit lediglich in der Kunst ohnmächtigen Schulterzuckens geübt hatten. Und wie immer waren die Schwaben gründlich.
Dazu kannte ich sie lange genug. Ich war selber einer. Die Aufrufe, Informationen und Pamphlete, die sie mir in die Hand drückten, sprachen Bände. Diese Leute, die da auf die Straße gingen, waren allesamt Fachleute. Nirgends auf der Welt hatten die Menschen derart viel Ahnung von Bahnhofsarchitektur, Gleiswesen, Fragen der Statik und Tektonik, der Finanzmathematik und Steuerkalkulation, der Luftbelastung im Zuge städtischer Verbaustellung. Jeder zweite ein selbsternannter Architekt, jeder dritte ein versierter Denkmalschützer, von den Rechenkünstlern ganz zu schweigen. Ihr Demonstrationsgehabe hingegen wirkte unbeholfen, als hätten sich ein paar Kricketspieler auf eine Eistanzfläche verirrt."
In "Wo die Löwen weinen" geht es um Mord an einer ganzen Stadt und um nichts Geringeres! Dazu gehören Delikte wie Einschüchterung, Handgreiflichkeiten usw. Außerdem geht es um einen zornigen Frührentner, ein Mann der vom Wutbürger zum Scharfschützen wird und den Mächtigen die Angst zurückbringen möchte, letztlich aber doch ein Gutmensch bleibt. Und um einen rätselhaften Hund, ein Streuner, kurzbeinig, langohrig, verfettet und stoisch im Wesen. Lassen Sie sich überraschen!
Heinrich Steinfest
geboren 1961 in Albury/Australien, sozialisiert in Wien, lebt als Maler und Autor in Stuttgart. Seit 1982 stellt er seine experimentelle Theaterarbeit mit dem Kunstverein "up-art" u.a. in Wien, Hamburg und Kiel aus. Er veröffentlichte eine Reihe von meist utopischen oder SF-Erzählungen und mit "Das Ein-Mann-Komplott" 1996 seinen ersten Kriminalroman, dem zahlreiche weitere folgten. Daneben schrieb er Glossen für die Stuttgarter Zeitung.
Heinrich Steinfest wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet. Er erhielt 2010 den Stuttgarter Krimipreis und den Heimito-von-Doderer-Literaturpreis.
Am Mittwoch, 14.12. war Krimiautor Heinrich Steinfest zu Gast in der Sendung "SWR1 Leute" im Programm SWR1 Baden-Württemberg. Die Sendung gibt es als MP3 zum Herunterladen und Nachhören auf der Internetseite SWR.de. Kopieren Sie dazu diesen Link ins Adressfeld Ihres Browsers:
http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=8935198/jdgq84/index.html
(Länge: 31 Minuten / Format: MP3)
Meine musische Mission
Von Ricarda Bethke
Fr, 23.12.2011 20.10-21.00 DLF Feature
Was eigentlich zeichnet eine gute Lehrerin aus? Wie kann sie Neugier und Eigensinn in ihren Schülern wecken? Die Autorin Ricarda Bethke erinnert sich an ihre eigene Zeit als Lehrerin in der DDR. "In dir muss zünden, was in anderen brennen soll" - nach diesem Grundsatz hat sie unterrichtet.
Auch die Schülerin Grit, das "schwarze Gretchen", ist bei ihr in die Schule gegangen.
Die ausgebildete Sängerin wurde schließlich selbst zur Lehrerin für Musik, Latein und Griechisch.
"Wir trafen uns wieder an einem freien Wochenende", schreibt Ricarda Bethke, "und ich spürte, wie sie glühte für ihre Arbeit und wie sie glücklich wurde damit. Solche roten Wangen, solche schwingende Stimme kannte ich auch an mir und an meinen Kollegen, wenn wir aus einer gelungenen Unterrichtsstunde kamen, erfüllt von dem Eifer des Erkennens, den wir gerade entfacht hatten."
Schöne Fremde, ganz nah
Mit Reiseschriftstellern unterwegs in Deutschland
Von Jochen Rack
So, 25.12.2011 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag | SWR2 extra: Deutschlandreise
Der Ruhrpott ist manchen Deutschen fremder als die Toscana, und New York vertrauter als Nürnberg. Und wer, wenn er aus den alten Bundesländern stammt, kennt schon Brandenburg, Chemnitz oder Wismar? Billigflüge ermöglichen Reisen in die weite Welt, und wer dennoch in Deutschland unterwegs ist, kennt meist nur das Netz der Bundesautobahnen und den Blick auf Schallschutzwände aus dem ICE. Kein Wunder, dass deutsche Schriftsteller die Erkundung des eigenen Landes wieder reizvoll finden. Die Wahl des Verkehrsmittels bestimmt dabei nicht unwesentlich die Art der Wahrnehmung. Alle Autoren suchen das Neue im scheinbar Vertrauten, erkunden Stadt und Land und Leute, deutsche Geschichte und deutsche Mythen, und denken darüber nach, was die seit 20 Jahren wiedervereinte Nation im Innersten zusammenhält. Die Reiseschriftsteller des 21. Jahrhunderts bewegen sich dabei in einer literarischen und journalistischen Tradition, die von Heines Harzreise im Jahr 1824 über Werner Bergengruens Fahrradtour durch das Deutschland von 1933 bis zu Franz X. Gernstls jüngsten Fernsehreportagen in die Gegenwart reicht. Das eigene Land zu entdecken, kann noch immer ein Abenteuer sein.
„Alles auf der Welt ist Wandel“
Von Abschied und Anfang
Von Hans-Joachim Simm
So, 25.12.2011 18.05-19.00 hr2 Feature
„Satane stehen auf den Köpfen ... und stürzen ärschlings in die Hölle.“ Mit diesen Worten macht Mephisto seinem Ärger darüber Luft, daß Faust schließlich doch erhoben und gerettet wird. Wenn selbst die Teufel in der Hölle schmoren müssen, ist klar, daß nichts bleibt, wie es war, ist oder scheint.
Alles unterliegt ständigem Wandel, oft nehmen die Dinge einen unerwarteten Verlauf. Das gilt für den einzelnen Menschen ebenso wie für Gesellschaften, es gilt für die gesamte Natur, für das ganze Universum. Die Fähigkeit zum Wandel ist der entscheidende Faktor der Evolution; ohne Veränderung gibt es keine Entwicklung, kein Leben, kein Weiterleben; in der Fülle des Daseins wechseln die Formen und Inhalte, jeder Mensch fängt die Welt von vorn, neu an, in jedem Augenblick des Lebens, in seinen Gefühlen, in Liebe und Haß, Freude und Trauer.
Was wir daraus lernen können, ist Geduld zu haben gegen alles Ungelöste, den Wandel anzunehmen, aber auch die Dauer im Wechsel zu erkennen. „Das einzig Beständige ist der Wandel“, hat Charles Darwin gesagt. Der Wandel des Daseins fordert heraus, sich dem Neuen, Unbekannten zu stellen, den eigenen Weg zu finden, in der Gewißheit, daß im Wechsel die Einheit des Lebendigen besteht: „Und solang du das nicht hast, / Dieses: Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast / Auf der dunklen Erde“, heißt es im West-östlichen Divan, und Rilke fordert in seinen Duineser Elegien zum Handeln auf: „Was, wenn Verwandlung nicht, ist dein drängender Auftrag?“ Dichter und Philosophen aller Zeiten haben sich diesem „Auftrag“ gestellt, haben die Veränderlichkeit des Daseins zum Thema gemacht, in Gedichten, Erzählungen und Betrachtungen.
Millionäre und Milizen
Marktwirtschaft radikal in Beirut
Von Achim Nuhr
Di 27.12.2011 19.15-20.00 DLF Feature
Der Wiederaufbau des in Krieg und Bürgerkrieg zerstörten Beirut dauert bis heute an: Im alten Stadtzentrum, früher Treffpunkt aller Schichten und Kulturen, entsteht eine riesige, artifizielle Luxuszone.
Das "größte Stadtsanierungsprojekt der Welt" besteht vor allem aus Plattenbauten, die die alte, mediterrane Fassadenkultur nur äußerlich imitieren und damit nur sehr oberflächliche Erinnerungen an die Vergangenheit zulassen.
Der luxussanierte Kern wird nur durch eine Ringstraße vom Rest der Stadt getrennt: Auf der anderen Straßenseite stehen immer noch Hausruinen.
Weiter stadtauswärts stößt man bald auf erste Flüchtlingslager.
"Das Feature" analysiert den Wiederaufbau der dualen Stadt als tollkühnes Gaunerstück: Die gesamte Innenstadt wurde enteignet, einer Aktiengesellschaft zugeschlagen und dann Aktienpakete an die Politiker verteilt, die den ganzen Deal eingefädelt hatten - allen voran an den Hariri-Clan, der die längste Zeit die Regierungschefs stellte.
Der Autor erkundet markante Viertel und zeichnet dabei das Bild einer Gangsterstadt, in der Sushibars an bewohnte Kriegsruinen grenzen und Milizionäre am liebsten halb nackte Models beim Fotoshooting bewachen.
Mockumenta 3
Der Fake-Event des Jahres 2009
Von Markus Metz und Georg Seeßlen
Mi, 28.12.2011 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Weil das Thema nichts von seiner Sprengkraft verloren hat, wiederholt Deutschlandradio seinen Live-Bericht von der dritten Mockumenta: Reportagen, Analysen und Interviews von der großen Ausstellung zu Remix, Remake, Appropriation und Fälschung in der Kunst und vom Mockumentary-Film-Festival mit Pseudo-Dokumentarfilmen und der Verleihung des "Blair Witch Awards".
Appropriation rules! Sind Appropriation Art und Remix-Kultur noch Avantgarde der ästhetischen Guerilla oder doch schon längst im Mainstream angekommen?
Typisch deutsch?
Mehrspur-Feature mit Dokublog
Von Wolfram Wessels
Mi, 28.12.2011 22.50-23.00 SWR2 Feature | SWR2 extra: Deutschlandreise
Das sind die alten Klischees: Die Deutschen sind fleißig, akkurat, leicht spießig, trinken Bier, lieben Volksmusik und bleiben am liebsten daheim. Dabei sind die Deutschen auch 2011 wieder Weltmeister im Reisen, die Hardrocker von Rammstein repräsentieren das Land in amerikanischen und britischen Charts und für den Bundespräsidenten zählt der Islam zu Deutschland. Ändert sich da was? "Typisch Deutsch e.V." ist ein überwiegender Migranten-Verein, etliche Vorlesungen an deutschen Universitäten werden auf Englisch gehalten und die Bratwurststände sind weitgehend Dönerbuden gewichen. Bei "Coffee to go" und "service point" denkt sich auch keiner mehr was. Klingt "typisch deutsch" heute eher nach Bierzelt oder nach Bazar, eher nach Wald und Heide oder Windkraftwerk und Handfeuerwaffe, Dorfkirche oder Moschee? Was denken Neu-Deutsche über Alt-Deutsche und umgekehrt? Haben wir uns nicht längst neu definiert, oder sollten es tun?
Auf www.dokublog.de sammeln wir Beiträge dazu: Kommentare, Interviews, Reportagen, O-Töne und Features. Jeder kann sich beteiligen.
O-Ton-Sammler und Audio-Bastler aufgepasst: Der SWR2 DOKUBLOG sucht Eure Beiträge zum Thema: "Typisch deutsch?" Die besten werden
honoriert und in SWR2 gesendet!
Jaco Pastorius´ Gang durch den Schnee von Rheidt nach Havona
Über die letzte Tournee einer Jazzlegende
Von Jan Decker
Di, 26.12.2011 0.05-1.00 DLF Feature
"Mein Name ist John Francis Pastorius III, und ich bin der beste E-Bassist der Welt." So stellte sich Jaco Pastorius üblicherweise vor. Was kaum bekannt ist: Im März 1986 reiste der US-Bassist für eine Tour nach Deutschland, Österreich und Italien.
Immer wieder kam es zu Höhenflügen und Abstürzen des Genies.
Und zwischendurch war Jaco Pastorius spurlos verschwunden.
25 Jahre später erinnern sich Musiker und Weggefährten an die Ereignisse.
In die Leerstellen zwischen ihren Schilderungen tritt ein junger Fan, Sohn von in Deutschland stationierten GIs, der sich auf Jacos Spuren begibt.
Am 1. Dezember 2011 wäre Jaco Pastorius 60 Jahre alt geworden.
Ich - Wer ist das?
Über Spielformen der Identität
Von Christine Hamel
Sa, 31.12.2011 13.05-14.00 BR2 radioFeature
"Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu"- so lässt Ödön von Horvath Baronin Ada von Stetten in seinem Roman "Zur schönen Aussicht" seufzen. Längst wissen wir: Das bin ich und das bin ich auch und das auch. Ich bin viele. Gefühle, Hirnströme, Hormone, der Blick in den Spiegel und in die Augen anderer - die Bausteine einer Biographie. Im "Second Life" lässt sich dieses Ich dann wunderbar aufpolstern: Optimal digital. Doch auch online ist der Mensch vor allem auf der Suche nach sich selbst. Unablässig archivieren wir uns: Ich mit all meinen Fotos. Ich mit all meinen Filmen. Ich mit all meinen mails und sms. Ich mit all meinen Büchern. Ich mit all meinen Songs. Ich mit meiner DNS. Ich mit all meinen Kontoauszügen und Überweisungen. iPod und iPad erlauben, dass wir unserer Ich überall mit hin nehmen. Aber kommen wir uns damit auf die Spur? Kommen wir uns näher? Sind wir am Ende nur Geschäftsführer unserer Selbst? Schaltet uns die globale Kultur gleich? Je schneller sich die Welt wandelt, desto größer das Verlangen nach Selbstgewissheit. Reality-TV, Dokusoaps, Partnerbörsen und Webportale stellen uns tagtäglich Angebote für die Identitätsbildung bereit. Selfdesign oder Sein - das ist die Frage.
Das Feature bietet Einblicke in die komplexe Liaison mit unserem Ich. Identität, das zeigen Künstler, sind viele miteinander konkurrierende und kooperierende, verbündete und sich bekämpfende Identitäten. Die Literatur buchstabiert Ich-Wechsel durch, das Theater lebt von der Ich-Vielzahl und durchleuchtet sie auf der Bühne. Die Psychoanalyse teilt das Ich durch drei, in Es, Ich und Über-Ich und Hirnforscher stellen das Ich auf den Kopf: Denken und Gefühle, alles Moleküle. Nicht das Ich entscheidet, sondern das limbische System.
Ein Hörbild entlang des individuellen roten Fadens, der durch unser Gehirn läuft und so schwer zu fassen ist.
Jenseits von Papenburg
Im Kielwasser deutscher Kolonialgeschichte
Von Judith Fehrenbacher
So, 1.1.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag | SWR2 extra: Deutschlandreise
Kigoma - Mpulungu und zurück. Seit fast 100 Jahren schippert die "Liemba" zwischen Tansania und Sambia über den Tanganjikasee im Herzen Afrikas. Unverändert - bis auf den Namen. "Graf Goetzen" hieß das 67 Meter lange Schiff für 500 Passagiere einst, gebaut auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II., um im kolonialen Deutsch-Ostafrika Macht zu demonstrieren. Im emsländischen Papenburg wurde der Dampfer zusammengenietet, um sofort wieder in tausende Einzelteile zerlegt zu werden, die nach Afrika transportiert und dort wieder verschweißt wurden. "Die fährt noch ewig", sagt der Kapitän. Aber wohin? Ein Heimatverein will die "Liemba" wieder nach Papenburg zurückholen. Judith Fehrenbacher war mit dem Schiff unterwegs. Ihre Reise über den Tanganjikasee ist zugleich eine Fahrt in die deutsche Kolonialgeschichte.
Posted by Ute Kleiber in
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Friday, December 9. 2011
Was ist "typisch deutsch"?
O-Töne und Beiträge aus dem SWR2 Dokublog
Moderation: Wolfram Wessels
So, 11.12.2011 19.30-20.30 SWR2 Mehrspur | SWR2 Deutschlandreise
O-Ton-Sammler und Audio-Bastler aufgepasst: Der SWR2 DOKUBLOG sucht Eure Beiträge zum Thema: "Typisch deutsch?" Die besten werden honoriert und in SWR2 gesendet!
Das sind die alten Klischees: Die Deutschen sind fleißig, akkurat, leicht spießig, trinken Bier, lieben Volksmusik und bleiben am liebsten daheim. Dabei sind die Deutschen auch 2011 wieder Weltmeister im Reisen, die Hardrocker von Rammstein repräsentieren das Land in amerikanischen und britischen Charts und für den Bundespräsidenten zählt der Islam zu Deutschland. Ändert sich da was? "Typisch Deutsch e.V." ist ein überwiegender Migranten-Verein, etliche Vorlesungen an deutschen Universitäten werden auf Englisch gehalten und die Bratwurststände sind weitgehend Dönerbuden gewichen. Bei "Coffee to go" und "service point" denkt sich auch keiner mehr was. Klingt "typisch deutsch" heute eher nach Bierzelt oder nach Bazar, eher nach Wald und Heide oder Windkraftwerk und Handfeuerwaffe, Dorfkirche oder Moschee? Was denken Neu-Deutsche über Alt-Deutsche und umgekehrt? Haben wir uns nicht längst neu definiert, oder sollten es tun?
Lizenz zum Dichten
Die amerikanische Radiolegende Norman Corwin
Von Christian Blees
So, 11.12.2011 20.05-21.00 DLF Freistil
In der Blütezeit des US-amerikanischen Radios, den 40er-Jahren, gilt der Autor und Regisseur Norman Corwin als "Dichterfürst des Radios". Corwin setzt auf ein anspruchsvolles Programm mit selbst verfassten Literatur- und Hörspielsendungen und betont damit die Möglichkeiten des Mediums, eigenständige Kunstformen hervorzubringen.
Als sich im Frühjahr 1945 die Niederlage der Nationalsozialisten abzeichnet, schreibt er das Hörspiel "On a Note of Triumph", das am Tag der Kapitulation, dem 8. Mai 1945 ausgestrahlt wird - eine Sternstunde des Rundfunks.
Dass er politischen Fanatismus und Ungerechtigkeit auch im eigenen Land bekämpft, beweist der Autor 1947 mit einem Hörspiel gegen die antikommunistische Hetze der McCarthy-Ära.
Aktuelle und politische Themen weiß er konsequent radiokünstlerisch umzusetzen, das macht ihn zur Legende.
Die Schwarzwälder Stromrebellen
Eine Bürgerinitiative wird zum Energieversorger
Von Frank Dietsche und Werner Kiefer
Di, 13.12.2011 19.15-20.00 DLF Feature
Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gründete sich im Schwarzwaldstädtchen Schönau eine Bürgerinitiative, die der Atomkraft den Kampf ansagte. Man wollte dem AKW-Betreiber das städtische Stromnetz abkaufen und die Stadt künftig selbst mit ökologischem Strom versorgen.
Für den Landarzt und seine Frau, den Polizisten, die Lehrerin und den Handwerker begann eine Reise ins Ungewisse: Sie verfügten weder über die notwendigen Millionen noch hatten sie Erfahrungen, wie man ein Stromnetz betreibt.
Im Schwarzwaldstädtchen entstand ein heftiger politischer Streit, der die Bevölkerung quer durch Familien und Generationen spaltete. Zwei Bürgerentscheide später und nach Jahren voller unglaublicher Ereignisse konnten die Schönauer Stromrebellen das Stromnetz übernehmen und das wohl ungewöhnlichste Energieversorgungsunternehmen Deutschlands aufbauen.
Wegen ihres Mutes, ihrer Ausdauer und Fantasie halten viele die Schönauer Initiative für das erfolgreichste Beispiel bürgerschaftlichen Engagements.
stadtgestalten
Von Almut Schnerring und Sascha Verlan
Fr, 16.12.2012 20.10-21.00 DLF Feature
Eine dunkle Unterführung, eine Tiefgarageneinfahrt - liegt das Hässliche nur im Auge des Betrachters? Manche Architekturausschreibung liest sich wie ein Märchen vom Idyll in der Stadt.
Die Umsetzung vor Ort fügt sich dann doch wieder ein ins vorhandene Grau.
Aber was für den einen ein städteplanerischer Fehltritt ist, eine strukturlose Fläche aus Beton, ist für den anderen die perfekte Leinwand für sein nächstes Kunstwerk.
Mit dem Beatboxer Jurczok1001 aus Zürich und dem Freestyle-Rapper Tobias Borke aus Stuttgart, den Graffiti-Künstlern Kalle und Jens sowie den Traceuren Martin und Alex von ParkourONE aus Berlin und der Musik von La Brass Banda
Schnee
Geschichten einer Leidenschaft
Von Sibylle Tamin
Sa, 17.12.2011 18.05-19.00 DR Kultur Feature
Schnee wird rar. Zum Ende des Jahrhunderts wird in den Schweizer Alpen für mittlere Höhenlagen ein Schneefall-Rückgang bis zu 80 Prozent prognostiziert. Zeit, über Schnee zu sprechen.
Vom Schnee und von der Leidenschaft für Schnee erzählt eine Familiengeschichte, die im Schnee beginnt und im Eis endet.
Ins Persönliche weben sich kulturgeschichtliche, wissenschaftliche und literarische Schneegeschichten.
Auch jene von Robert Walser, der Schnee liebte und Schnee in viele seiner Geschichten hineinspielen lässt. Schnee, in den er schließlich sinkt, nach 23 Jahren Anstaltsleben, auf einem Weihnachtsspaziergang in den Hügeln von Herisau.
Dort, im Schnee liegend, den Arm ausgestreckt wie in entspanntem Wohlbehagen, wird der tote Walser von einem Hund entdeckt.
Die Maske des Schreckens - Fantômas
Eine Hommage zum 100. Geburtstag
Von Sabine Grimkowski
So, 18.12.2011 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Im Jahr 1911 geht ein Gespenst um in Frankreich. Ein Mann in schwarzem Anzug, mit Zylinder und schwarzer Maske, in der Hand ein blutiges Messer, erhebt sich wie ein riesenhafter Schatten über Paris und setzt seinen Fuß auf die Stadt: Fantômas. Er ist eine Allegorie des Verbrechens, die Verkörperung des Kriminellen.
Die beiden Journalisten Marcel Allain und Pierre Souvestre haben mit Fantômas eine Romanfigur geschaffen, die wie keine andere das böse Ende der Belle Epoque verkörpert. Frankreich, weltweit die zweitgrößte Finanzmacht, erlebt eine Zeit sozialer Spannungen. Attentate anarchistischer Banden halten die Polizei in Atem. Die Fantômas-Romane spiegeln diese Ereignisse und übersteigern sie ins Surreale. Und sie bescherten den Lesern dabei jene Mischung aus Schauer und Unterhaltung, Fantasie und topografischer Präzision, die ein Buch zum Bestseller macht. Bon anniversaire, Fantômas!
Posted by Ute Kleiber in
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Friday, November 11. 2011
"Jeden Tag überrascht uns das Leben"
Der unruhige Alltag eines ehrenamtlichen Helfers
Von Thomas Hartwig
Di, 15.11.2011 19.15-20.00 DLF Feature
In Berlin-Marzahn kümmert sich Boris Gladis seit Jahren um Russlanddeutsche aus den ehemaligen GUS-Staaten. Viele von ihnen sprechen gar nicht oder nur ungenügend Deutsch. Boris hilft bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Anträgen und oft auch bei familiären Problemen.
Er spricht fließend Russisch, Deutsch und Englisch.
Für seine ehrenamtliche Tätigkeit bekommt er kein Geld. Er lebt von Hartz IV.
Er kennt viele Familien und Alleinstehende mit sehr unterschiedlichen Schicksalen.
Erfolg und Misserfolg sind gleichermaßen anzutreffen. "Ich helfe gerne anderen Menschen, aber ich brauche selbst Hilfe!", sagt Boris.
Der 62-Jährige stammt aus Kishinev in Moldawien und war dort Schulleiter.
Er ist mit der "Volksdeutschen" Rosa Seiler verheiratet und reiste mit ihr im Sommer 1996 nach Deutschland. Heute lebt das Paar getrennt.
Der Autor hat Boris Gladis einige Monate begleitet und ihn bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beobachtet.
Die Yasuní-Initiative Ecuadors
Von Lorenz Rollhäuser
Mi, 16.11.2011 22.05-23.00 SWR2 Feature
2007 machte die ecuadorianische Regierung einen erstaunlichen Vorschlag: Sie versprach, das Öl dreier Ölfelder im Boden zu lassen und damit den Ausstoß von etwa 410 Millionen Tonnen CO² zu vermeiden, wenn die internationale Gemeinschaft über die kommenden 20 Jahre die Hälfte des entgangenen Profits zahle. Damit könne ein Teil des Yasuní-Nationalparks und die Lebensgrundlagen der dort lebenden indigenen Gemeinschaften geschützt werden. Denn die Erde, so der Gedanke dahinter, ist ein gemeinsamer Lebensraum, für den die gesamte Menschheit Verantwortung trägt. Im Juni 2008 beschließt der Bundestag, die Initiative zu unterstützen, im Herbst 2010 aber zieht der zuständige Minister Dirk Niebel diese Zusage zurück. Damit verliert der Vorschlag seinen wichtigsten Förderer, ohne den die Initiative nicht funktionieren wird. Die Zeit drängt: Auch in Ecuador gibt es eine starke Öllobby und das Moratorium der Regierung gilt zunächst nur bis Ende 2011.
"Ich will nicht leben ohne dich"
Doppelsuizide in Fiktion und Wirklichkeit
Von Egon Koch
So, 20.11.2011 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Man fand die Leichen "in fast knieender Stellung" hieß es - so wie auf dem Gemälde "Sterbende Heilige Magdalena" des französischen Barockmalers Simon Vouet.
Am Nachmittag des 21. November 1811 fallen am Kleinen Wannsee in der Nähe von Potsdam zwei Pistolenschüsse. Die erste Kugel trifft Henriette Vogel. Die zweite Heinrich von Kleist. "Erweiterten Selbstmord" nennen es Psychologen, wenn dem Suizid eine Tötung auf Verlangen vorausgeht.
Kleist hat diese Form des Doppelsuizids "vorgestorben" - für viele Paare in der Literatur und in der Wirklichkeit. Und so wie Kleist den Tod inszeniert hat, so haben viele nach ihm den Doppelsuizid rituell vollzogen. Wenn nicht für die Nachwelt, so doch für sich selbst. Um die vollkommene Hingabe an den anderen zu demonstrieren.
Aber bedeutet der gemeinsame selbstgewählte Tod tatsächlich immer, dass man nicht ohne den anderen leben kann? Offenbar handelte es sich um eine Inszenierung.
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