|
|
Posted by Ute Kleiber in
HÖRFUNKTIPPS
Friday, May 4. 2012
Der Königsforst
Betrachtungen über einen Wald in Deutschland
Von Lionel Quantin
Mi, 09.05.2012 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Ein Wald in der Nähe von Köln. Karl der Große pflegte hier Hirsche, Rehe und Wildschweine zu jagen. Heute durchziehen Autobahn, Eisenbahntrasse und Einflugschneise das kleine Areal, und Spaziergänger wetteifern mit Joggern um ihr kleines Refugium.
Doch auch wenn der Wald zum Naherholungsgebiet wird, ist ihm das Geheimnis nicht auszutreiben. Hochfeine Mikrofone und ein Sinn für deutsche "Waldeinsamkeit" bringen den französischen Autor auf seine Spur: Mit Georges-Arthur Goldschmidt findet er Spuren des Weltkriegs und mit einer deutschen Spaziergängerin teilt er Erfahrungen der Weltabgeschiedenheit.
Ruanda. Wo Mörder und Überlebende Nachbarn sind
Ein Land sucht seine Zukunft
Von Gaby Mayr und Günter Beyer
Mi, 09.05.2012 22.30-23.00 SWR2 Feature
Verscharrt. In Latrinen versenkt. Verwest im Bananenhain. 800.000 Menschen, meist Tutsi, wurden 1994 im ostafrikanischen Ruanda getötet. Ein Völkermord, der das Land in den Abgrund stürzte. Heute herrscht Frieden in Ruanda, aber der Genozid wirkt fort. Der Bauer lebt Haus an Haus mit dem Mörder seiner drei Kinder. Der junge Bankkaufmann verliert seinen Job, weil sein Vater als Völkermörder verurteilt wurde. Die Bäuerin findet ihre Ziege mit durchschnittener Kehle, nachdem sie als Laienrichterin Urteile fällte. Der einstige Tutsi-Rebell und heutige Rechtsanwalt begreift, dass auch Hutu Leid zugefügt wurde. Und die Sozialarbeiterin, die nur knapp den Macheten der Milizen entkam, stößt in einem Straflager auf einen Mörder ihrer Familie und macht später Karriere als Bürgermeisterin in der boomenden Hauptstadt. Günter Beyer und Gaby Mayr haben auf ihrer Reise ins "Land der tausend Hügel" Zeugnisse des Schreckens und Zeichen der Hoffnung gesehen. Sie haben verstörende Nachrichten mitgebracht aus einem Land, dessen Zukunft längst begonnen hat.
Wenn die Chinesen kommen ...
Erkundungen an der längsten Grenze der Welt
Von Christine Hamel
Sa, 12.05.2012 13.05-14.00 BR2 radioFeature
"Sie werden in kleinen Gruppen von fünf Millionen die Grenze überschreiten", prophezeite vor einiger Zeit Russlands Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin. Und die "Iswestija" fragte: "Sind die Chinesen noch Gäste oder schon Hausherren?" Moskau wähnt Gefahr im Osten: Hunderttausende Chinesen sind in den vergangenen 20 Jahren aus den bevölkerungsreichen Nordprovinzen Chinas ins benachbarte, menschenleere Sibirien geströmt. An Amur und Ussurij herrscht hochtouriges Hin und Her. Jahrzehntelang war die russische Ostgrenze genauso abgeriegelt wie die Westgrenze; in Sibirien stießen Maoisten und Sowjets aufeinander, tief zerstritten in ideologische Richtungskämpfe. 3645 Kilometer Grenze teilen sich Russland und China - es ist eine der längsten der Welt. Hier dürfte sich einer der wichtigsten Machtpoker der kommenden Jahrzehnte abspielen.
Schließen sich Russland und China zu einem wirtschaftspolitischen Bündnis zusammen, an dem alle amerikanischen Hegemonialansprüche abprallen? Oder übernimmt Russland die Rolle eines letzten europäischen Bollwerks gegenüber einer autoritären asiatischen Großmacht? Gibt es künftig einen Aufsteiger China und einen Absteiger Russland? Oder wird Sibirien womöglich einfach chinesisch? Am Amur findet nicht nur reger Handel statt, es bilden sich auch immer mehr gemischte Paare. Erfolgsorientierte Russen lernen Mandarin, denn China gibt in der Grenzregion den Ton an. Entsprechend groß ist das russische Misstrauen. In schwindelerregendem Tempo entstehen in Chinas nordöstlichen Provinzen hypermoderne Städte, unterfüttert mit dem Reichtum Sibiriens. In Russisch-Fernost stoßen zwei autoritäre Großreiche aufeinander, ein Spitzentreffen, das es lohnt, genauer unter die Lupe genommen zu werden.
Christine Hamel war im Rahmen eines Grenzgänger-Stipendiums der Robert Bosch Stiftung in Russlands fernem Osten unterwegs.
Weiß ich, wer ich bin?
Fragen von und an Max Frisch
Von Uwe Stolzmann
Sa, 12.05.2012 18.50-19.00 DR Kultur Feature
Fragen waren seine Spezialität, heikle, verstörende Fragen. Mit Fragen, gefunden in Frischs Romanen und den legendären Fragebögen, nähern wir uns dem Prosawerk des Jahrhundertautors.
Und wir kommen dem Menschen hinter der "Marke" näher, den angenehmen und den dunklen Seiten. Frisch war keineswegs so selbstsicher, wie das erzählende Ich gern glauben ließ, er war eher ein Zerrissener, verletzte andere und war schnell verletzt.
Hat Max Frisch, indem er die Schwächen der Gesellschaft analysierte, sich selbst ergründet?
Der Autor reist zu Frischs Orten in Zürich, Berlin und im Tessin. Er spricht mit Weggefährten des Dichters. Und besucht zwei seiner Frauen, Marianne Frisch, die zweite Ehefrau, und Karin Pillaud, seine letzte Gefährtin.
... doch nicht für immer
Eine Reise in die fremde Heimat
Von Kalle Laar
So, 13.05.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
1944 verließ Biruta Laar, die Mutter des Autors, ihre Heimatstadt Riga - ohne Ziel und voller Zweifel, getrieben von der Furcht vor den Sowjets und der näher rückenden Front. Die Flucht führte sie von Riga über Umwege nach Libau, weiter ins Auffanglager Schneidemühl, dem heutigen polnischen Pila, dann nach Österreich und Deutschland. Anhand ihrer Tagebuchaufzeichnungen vollzieht der Autor ihre Reise nach und folgt vor allem den Stationen in ihrer ursprünglichen Heimat. Zugleich begibt er sich auf die Suche nach den eigenen emotionalen Verbindungen und Distanzen zu einem Lettland, das er nicht kennt und das ihm doch nicht fremd ist. - Kalle Laar, geboren 1955, ist Musiker, DJ, Performance-Künstler, Hörspiel-Macher und Betreiber des "Temporären Klangmuseums" in München. Das autobiografische Stück "... doch nicht für immer" ist seine erste Feature-Arbeit.
Ein Ritt durch die Welt der Cowboy Poetry
Von Susann Sitzler
So, 13.05.2012 18.05-19.00 hr2-kultur | Feature
Seit gut 200 Jahren gibt es Cowboy Poetry: Gedichte, in denen Cowboys aus ihrem Leben erzählen. Cowboy Poetry ist eine eigenständige Gattung der amerikanischen Literaturgeschichte, in Europa weitgehend unbekannt.
Das Feature von Susann Sitzler führt in die Bergwelt von Colorado und nach Texas, wo die Hörer nicht nur modernen Cowboylyrikern begegnen, sondern auch historische Cowboylyrik kennenlernen. Und auch jene Stimmen dieser lebendigen Szene hören, die Hollywood in seiner Version des Wilden Westens lange unterschlug: die der schwulen und die der schwarzen Cowboys.
Posted by Ute Kleiber in
HÖRFUNKTIPPS
Wednesday, April 25. 2012
Rechter Terror: Tödlich unterschätzt
Von Oliver Bendixen, Ludwig Kendzia, Michaela Schenk, Holger Schmidt
Mi, 25.04.2012 22.05-23.00 SWR2 Feature | das ARD radiofeature
Als im November 2011 eine rechte Terrorzelle entdeckt wurde, war das öffentliche Entsetzen groß. Seit mindestens zehn Jahren ermordete die Gruppe Menschen in ganz Deutschland. Doch niemand erkannte das Motiv und die Schuld wurde bei den Opfern gesucht. Polizei und Verfassungsschutz stehen nun vor einem Desaster: Während Deutschland mit Hochdruck Islamisten jagte, konnte eine rechte Gruppe unerkannt morden. Der Terror von rechts wurde tödlich unterschätzt. Seit Entdeckung der sogenannten "Zwickauer Zelle", ihrer Taten und ihrer Verbindungen recherchieren Radio-Reporter der Landesrundfunkanstalten in enger Kooperation und decken Hintergründe und Zusammenhänge auf.
West-östlicher Divan Utopie und Wirklichkeit
Staunen über das Abendland: Wie der Orient uns sah und sieht
Von Walter van Rossum
Fr, 27.04.2012 20.10-21.00 DLF Feature
"Seine Lippen sind wulstig wie die eines Kamels, und in seinen Mund würde ein ganzer Laib Brot auf einmal passen. Auch seine Zähne sind groß und weiß wie die eines Kamels." So sah der osmanische Weltreisende Evliya Celebi Mitte des 17. Jahrhunderts den habsburgischen Kaiser.
Andere Abgesandte des Osmanischen Reiches beklagten die furchtbaren hygienischen Zustände in Europa. Damals rümpfte der Orientale noch gern die Nase über das Abendland, dem es sich überlegen fühlte. Doch die Zeiten ändern sich.
Der weiße Mann machte sich die Welt untertan. So lernt nicht nur der Orientale den weißen Mann aus hässlicher Nähe kennen. Und während der Orient dem Europäer sich als fantastisches Traumgebiet darbot, trugen die Orientalen die Last des Realen, die Barbarei des real existierenden Kolonialismus.
Aus dieser Zeit rührt eine orientalische Wahrnehmung des Morgenländers, die wenig gemein hat mit dessen Selbstverständnis als Krönung der Zivilisation.
Der Dichter und sein Richter
Indizien zu Friedrich Dürrenmatt
Von Uwe Stolzmann
So, 29.04.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Mord und Missbrauch, Irrsinn und Intrige – in der Prosa und den Stücken Friedrich Dürrenmatts ging es deftig zu. Mit galleschwarzem Humor erschuf der Schweizer ein absurdes, vom Zufall beherrschtes Universum. Dürrenmatts Drang, stets die "schlimmstmögliche Wendung" zu ersinnen, findet sich besonders ausgeprägt in seinen Krimis. Werke wie "Der Richter und sein Henker" (1951) oder "Das Versprechen" (1958) konfrontieren uns mit der dunklen Seite des Menschen, mit dem Bösen. In den Texten schaute der Dichter den Helden gern persönlich auf die Finger, als Randfigur, mal gütiger, mal scharfer Ratgeber und Richter. Jetzt nehmen wir den Dichter in die Zange. Ja, dies wird ein Verfahren, mit Indizien und Zeugen, Anklage und Verteidigung: Warum brachte er beständig die Apokalypse ins Spiel – aus kommerziellem Kalkül? "Zum Schluss droht immer noch der Untergang der Menschheit" – muss das ein Schweizer sagen? Und: Hatte so ein Schwarzmaler vielleicht selbst dunkle Flecken auf der Biografie?
Hier werden Träume produziert
Das Bavaria Filmstudio
Von Markus Metz und Georg Seeßlen
So, 29.04.2012 20.05-21.00 DLF Freistil Feature
Das Kino ist, wie Jean-Luc Godard sagt, ein "äußerer Traum", der nicht anders als mit technologischen und industriellen Mitteln hergestellt werden kann. Das gilt für Dutzendware wie für gehobene Unterhaltung und ebenso für Filmkunst.
Traumfabriken produzieren nicht nur Träume, sie bestehen selbst auch zu einem Großteil aus Träumen: das Hollywood der Filmmogule Warner, Selznick & Co, Bollywood mit seinen prächtigen Tanz- und Kostümfilmen, das Traumreich Cinecittà vor den Toren Roms, die Martial-Arts-Produktion in Hongkong.
Jedes Studio hat seine eigene Aura, auch die Bavaria vor den Toren Münchens.
Das Feature geht der Frage nach, wie dort Träume produziert werden.
Posted by Ute Kleiber in
HÖRFUNKTIPPS
Friday, April 13. 2012
Lob des Gartens & Schnee auf Pflaumenblüte
Von Marianne Weil und von Malte Jaspersen
Mi, 18.04.2012 0.05-1.00 DR Kultur Feature
Zunächst "Lob des Gartens" von Marianne Weil und direkt im Anschluss "Schnee auf Pflaumenblüte" von Malte Jaspersen.
Feature I
So wie Onkel Dagobert ins Geld springt und glücklich ist, so gehe ich in den Garten und lasse die Seele neu justieren. Andere meditieren, das ist mir zu langweilig. Ich schaufele lieber Kompost. Dabei höre ich die Vögel, fühle den Wind, rieche die Erde: sehr sinnlich
Feature II
Japanischer Frühling: Motiv vieler Haikus und schmachtender Schlager, spektakulärer Kabuki- und eleganter Noh-Theaterstücke. Zeit des ritualisierten Neubeginns und - der Jahressteuererklärung. Der Autor erlebte im japanischen Frühling einige Überraschungen.
Allen Widerständen zum Trotz
Frankreichs Zukunft liegt in den Vorstädten
Von Bettina Kaps
Mi, 18.04.2012 22.05-23.00 SWR2 Feature | Aufbrüche
Die Banlieues von Paris und anderen französischen Städten gelten als Problemzonen, als Orte der Randale, der Arbeitslosigkeit, der Tristesse. Fünf Millionen Menschen leben in diesen Randvierteln der Republik. Aber wer genau hinschaut, sieht, dass die Banlieue noch ein anderes Gesicht hat: Hier wächst die Jugend von morgen heran, ein Drittel der Bewohner ist jünger als 20 Jahre. Viele dieser jungen Menschen wollen sich ihren Platz in der französischen Gesellschaft erkämpfen. Sie entwickeln Energie, Biss, eine hohe Frustrationsschwelle und Durchhaltevermögen. Weil ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt oft versperrt ist, gibt es in den Banlieues weitaus mehr Firmengründer als im Rest des Landes. Auch im Kulturbereich entwickeln die jungen Banlieue-Bewohner innovative und erfrischende Ideen. Immer mehr etablierte Führungskräfte engagieren sich, um den ehrgeizigen jungen Menschen als "Paten" zur Seite zu stehen.
Der Spiegel des Orients: Friedrich Rückert
West-östlicher Divan: Utopie und Wirklichkeit
Von Grace Yoon
Fr, 20.04.2012 20.10-21.00 DLF Feature
Dass die Poesie ein wichtiger Teil der "Weltversöhnung" sei, daran glaubte und arbeitete der Dichter Friedrich Rückert sein Leben lang. Tatsächlich hat er für die geistige Annäherung der Kulturen soviel getan, dass sein Ansehen im Orient heute noch so groß ist, dass in Persien und Indien Straßen nach ihm benannt werden.
1818 ließ sich der damals 30-jährige Rückert von dem Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall ins Arabische und Persische einführen. Es folgten im Selbststudium Hebräisch, Koptisch, Türkisch, Armenisch, Syrisch und Sanskrit, am Ende waren es 44 Sprachen, deren Literaturen er an den Universitäten von Erlangen und Berlin lehrte.
Die reiche Bildersprache, die er im "Gazel" fand, und die Neigung der orientalischen Dichter, mit Worten zu spielen, kam Rückerts eigenem Temperament entgegen. Durch seine Übersetzungen des großen Mystikers Rumi und der Lyrik des Hafis erreichte er poetische Werke, die ihrem Geiste näher standen als alle anderen Übertragungen in die deutsche Sprachwelt. Er gewann aus den Quellen des Orients zahlreiche Stoffe und Formen, die durch ihn bis heute zum festen Bestand der deutschen Poetologie gehören.
Algerien: Das Schicksal der Harkis
Verloren zwischen zwei Nationen
Was aus Frankreichs Helfern im Algerienkrieg wurde
Von Rainer Volk
Sa, 21.04.2012 13.05-14.00 BR2 radioFeature
Wenn die Steine von Rivesaltes erzählen könnten, wären sie beredte Zeitzeugen des 20.Jahrhunderts. In dem Dorf bei Perpignan, das in ganz Frankreich bekannt ist für seinen süßen Dessertwein, baute die Armee in den 30er Jahren ein Depot. Sechs Jahrzehnte diente es als Lager - für Verfolgte, Verfemte, Heimatlose. Erst kamen Anhänger der spanischen Republik, die vor dem Franco-Regime fliehen mussten. Dann wurden Juden dort interniert, die aus Nazi-Deutschland emigriert waren; viele von ihnen wurden schließlich nach Auschwitz deportiert und umgebracht. Vor allem aber diente Rivesaltes lange als Notunterkunft für Harkis - maghrebinische Hilfssoldaten im Algerienkrieg. Bis zu Zehntausend wurden ab 1962 in Rivesaltes mit ihren Familien in Baracken und Zelten regelrecht eingesperrt, als sich Frankreich aus seiner Kolonie zurückzog.
Viele der Harkis blieben über Jahrzehnte dort. Nach der Schließung des Lagers im Jahr 2007 siedelten sie sich in der Umgebung an. So hat Perpignan bis heute eine große Harki-Gemeinde, fast eine Parallelgesellschaft. In manchen Dörfern sind 50 Prozent der Bevölkerung ehemalige Hilfswillige aus dem Algerienkrieg und ihre Nachkommen. Die Traumata der ersten Generation der Harki haben sich auf die Kinder und Enkel übertragen. Immer wieder begannen Söhne und Töchter der Harki Hungerstreiks, um gegen ihre soziale Isolation zu protestieren und ihre Rechte einzufordern. Doch erst im Jahr 2001 erwies Frankreich bei einer Zeremonie im Pariser Invalidendom den Harkis offiziell die Ehre, seit 2005 bekommen die Veteranen und ihre Witwen eine kleine Rente.
Der Krieg, der vor 50 Jahren zu Ende ging, wirft bis heute seine Schatten auf so viele Leben.
Saat des Sieges
Wie Gärtner (mal wieder) die Welt retten wollen
Von Michael Lissek
Sa, 21.04.2012 18.05-19.00 DR Kultur Feature
Gärtnern in der Stadt ist schick, seit es Urban Gardening heißt. Brachflächen ergrünen, Bienchen summen, und unter dem Pflaster liegt das Beet. Das haben die Medien aufgeschnappt. Mit kolumbianischem Kaffee in der Hand sprechen sie schwärmerisch von zukünftiger Selbstversorgung.
Aber warum jetzt? Könnte es sein, dass kommende Lebensmittelkrisen und Peak-Oil ihre Schatten vorauswerfen? Und die urbane Gartenbewegung so seismographisch wie spielerisch künftige Beben spiegelt?
Michael Lissek hat sich umgehört und verblüffende Assoziationen geknüpft. 'Saat des Sieges': Eine dramatische Komödie unter Verwendung von Propagandamaterial der US-amerikanischen und der englischen Regierung während des Zweiten Weltkriegs sowie eines ziemlich aktuellen Hörspiels der EDEKA-Gruppe.
Stadt gestalten
"Es ist nicht, wo du bist, es ist, was du machst"
Von Almut Schnerring und Sascha Verlan
So, 22.04.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Eine dunkle Unterführung, eine Tiefgarageneinfahrt - liegt das Hässliche nur im Auge des Betrachters? Manche Architekturausschreibung liest sich wie ein Märchen vom Idyll in der Stadt. Doch die reale Umsetzung fügt sich meist nur ein ins vorhandene Grau: strukturlose Flächen aus Beton. Aber was für den einen städteplanerische Fehlleistung ist, das ist für den anderen die perfekte Leinwand für sein nächstes Kunstwerk, die perfekte Kulisse für seine nächste Selbstinszenierung oder einfach: der ideale Lebensraum. "Es kommt drauf an, was man draus macht", warb vor Jahren die Betonindustrie. "Es ist, was du machst", sagen heute "Stadtgestalter" wie der Beatboxer Jurczok1001 aus Zürich, der Freestyle-Rapper Tobias Borke aus Stuttgart, die Graffiti-Künstler Kalle und Jens und die Traceure Martin und Alex von ParkourONE aus Berlin.
Kwetsch dos Knepl
Die Wiederentdeckung der jiddischen Sprache und Musik
Von Ulrike Klausmann
So, 22.04.2012 20.05-21.00 DLF Freispiel
Der kanadische Musiker Josh Dolgin rappt auf jiddisch, die israelische Gruppe Oy Division mischt mit kreischender Klarinette die Clubs auf und Daniel Kahn, der Dichter aus Detroit, hat seinen "Verfremdungsklezmer" nach Berlin gebracht.
Klezmer war die Musik und das Jiddische die Sprache der Ostjuden, deren Kultur von den Nationalsozialisten und ihren Helfern fast vollständig ausgelöscht wurde. Nach dem Holocaust wollte man in Israel von der Sprache und Musik des Gettos lange nichts wissen. In Deutschland, wo kaum noch Juden lebten, wurde Klezmer überwiegend als Folklore wahrgenommen.
Lediglich in den USA, wo schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Ostjuden auf der Flucht vor Pogromen eingewandert waren, konnte sich ihre Musik weiterentwickeln.
Diesseits des Atlantiks wagt es erst die Enkelgeneration, sich an die Tradition der Großväter zu erinnern und sie mit ihrer Musik zu verbinden. Wie zum Beispiel das Trio Carpion aus Israel, das aus dem umstrittenen Eurovisionshit "Push the Button" eine jiddische Coverversion gemacht hat mit dem Titel: "Kwetsch dos Knepl".
Posted by Ute Kleiber in
HÖRFUNKTIPPS
Tuesday, April 10. 2012
Zurückgepfiffen
Gefährden Steuerfahnder den Wirtschaftsstandort?
Von Tita Gaehme
Di, 10.04.2012 19.15-20.00 DLF Feature
Weil sie ihren Job allzu gut machten, verloren hoch qualifizierte Frankfurter Steuerberater ihren Arbeitsplatz. Sie hatten eine Großbank bei der Steuerhinterziehung ertappt und entdeckt, dass einige Banken vermögenden Kunden beim Steuerbetrug halfen, sie fanden verdeckte Parteispenden großer Wirtschaftsunternehmen und entdeckten den hessischen Nukleartransfer nach Pakistan.
Offensichtlich sah der hessische Regierungsapparat den Wirtschaftsstandort bedroht und reagierte mit einer Amtsverfügung, die Steuerbetrug erleichterte. Nach ihrer Kritik und Veröffentlichung dieser dubiosen Verflechtungen von Politik und Finanzwelt erklärte ein inzwischen dafür gerichtlich verurteilter Psychiater die Steuerfahnder wegen einer "erheblichen Anpassungsstörung" oder "paranoid-querulatorischen Entwicklung" auf Lebenszeit für dienstunfähig.
Der Widerstand gegen das Verschwinden
Oder: Memory is appetite
Von Grace Yoon
Do, 13.04.2012 20.10-21.00 DLF Feature
Das Verschwinden von kulturgeschichtlichen und politischen Ereignissen aus dem Gedächtnis der Menschen, das Verdrängen der Erinnerung an die Verschwundenen und auch die Umstände dieses Verschwindens sind der Ausgangspunkt dieser akustischen Reise.
Selbst die existenzielle Erinnerungsarbeit und der Kampf eines jeden Einzelnen gegen die Verlusterfahrung spiegeln sich im gesellschaftlichen Gedächtnis.
"Alles", schreibt die Autorin, "lebt ausschließlich auf der Grundlage seines Verschwindens, und wenn man die Dinge in aller Hellsichtigkeit interpretieren will, muss man es unter Berücksichtigung ihres Verschwindens tun ..."
Unbewältigte Vergangenheit
Mauern des Schweigens -
Kinderraub in Spanien
Von Margot Litten
Sa, 14.04.2012 13.05-14.00 BR2 radioFeature
Mehr als 100.000 politische Gegner ließ das Franco-Regime nach dem spanischen Bürgerkrieg umbringen. Das haben Historiker mittlerweile ausführlich dokumentiert. Eine andere Art von Verbrechen blieb jedoch bis vor kurzem weitgehend unbekannt: organisierter Kindesraub. In den ersten Jahren der Diktatur ideologisch motiviert, entwickelte er sich bald zu einem lukrativen Geschäft, in das Ärzte, Anwälte und vor allem die katholische Kirche verwickelt waren. Es wird geschätzt, dass in spanischen Geburtskliniken bis in die 80er Jahre an die 300.000 Babies verschwanden und mit gefälschten Papieren an kinderlose Paare verkauft wurden. Inzwischen suchen Mütter ihre Kinder und Kinder ihre leiblichen Eltern - doch das gestaltet sich extrem schwierig: Kein Wunder angesichts fehlender Dokumente, mangelndem politischen Willen und vor allem der Mauer des Schweigens, mit der sich die Kirche umgibt.
Margot Litten hat in Spanien Betroffene bei ihrer Spurensuche begleitet.
Ich hab' so Sehnsucht nach dem Kurfürstendamm
Von Gabi Schlag
So, 15.04.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
Die Geschichte einer Stadt, erzählt anhand der Geschichte ihres einzigen Boulevards von den Menschen, die ihn bevölkern
Von Gabi Schlag
Der Kurfürstendamm in Berlin, 3,5 Kilometer lang, 53 Meter breit, gebaut von Kurfürst Joachim dem II. als Reitweg vom Berliner Stadtschloss zum Jagdschloss Grunewald. Die eigentliche Geburtsstunde des Kudamms wird mit der ersten Dampfstraßenbahn von Zoo bis Halensee am 5. Mai 1886 datiert. Dann geht alles sehr schnell: Der Kudamm wird von einer großbürgerlichen Wohnstraße zum kulturellen Zentrum und zum Vergnügungszentrum. Joseph Roth schreibt in Mampes guter Stube, Kurfürstendamm Nr. 15 und Erich Kästner hat im Café Leon am Lehniner Platz seinen Stammplatz. Nach '45 wird der Kudamm der Mittelpunkt der Modestadt Berlin. Am 13. August 1961 errichtet die DDR eine 1378 Kilometer lange Mauer um ihren Staat. Berlin - eben noch Nabel der Welt - wird zur Insel. Die neue Identitätskrise beginnt mit dem Fall der Berliner Mauer: Berlin Mitte wird wieder Berlin Mitte und der Kudamm wird vom Zentrum an den Rand Berlins und an den Rand des allgemeinen Interesses befördert. Doch der Kudamm wäre nicht der Kudamm, würde er nicht auf die Füße fallen …
Die Geschichte von Berlins einzigem Boulevard, erzählt von Berlinern und Zugereisten, die geblieben sind, wie beispielsweise: Brigitte Grothum, Ilja Richter, Jürgen Schitthelm; mit Gedichten von Klabund, Ringelnatz u.a. und Chansons von Claire Waldoff, Hildegard Knef ...
Ruanda – Wo Mörder und Überlebende Nachbarn sind
Von Gaby Mayr und Günter Beyer
So, 15.04.2012 18.05-19.00 hr2 radioFeature
Verscharrt. In Latrinen versenkt. Verwest im Bananenhain. 800.000 Menschen, meist Tutsi, wurden 1994 im ostafrikanischen Ruanda getötet. Ein Völkermord, der das Land in den Abgrund stürzte.
Heute herrscht Frieden in Ruanda, aber der Genozid wirkt fort. Günter Beyer und Gaby Mayr haben auf ihrer Reise ins „Land der tausend Hügel“ Zeugnisse des Schreckens und Zeichen der Hoffnung gesehen. Sie haben verstörende Nachrichten mitgebracht aus einem Land, dessen Zukunft längst begonnen hat.
Posted by Ute Kleiber in
HÖRFUNKTIPPS
Friday, March 30. 2012
Fair handeln - aber wie?
Eine Idee zwischen Ideal und Kommerz
Von Caspar Dohmen
Di, 03.04.2012 19.15-20.00 DLF Feature
Am Anfang setzten Menschen ein Zeichen für faire Handelsbeziehungen: zwischen Produzenten im Süden und Verbrauchern im Norden. Ihre Devise: statt Marktpreisen faire Preise. Nicaraguakaffee etablierte sich neben der Jutetasche als Zeichen der Solidarität. Schon bald fanden die Waren den Weg aus den Weltläden in die Supermärkte. Heute steht der faire Handel an einem Scheideweg: Taugt die für den Süden geborene Idee auch für die Bauern im Norden?
Sollen im Süden in großem Stil Plantagen für den fairen Handel zertifiziert werden, weil der Markt es verlangt? Wird der Ansatz verwässert? Können die Bauern sich den fairen Handel noch leisten?
Über den richtigen Befund und Kurs gibt es Streit in der Bewegung. Gleichzeitig schlagen Unternehmen und einige Kleinproduzenten neue Pfade beim fairen Handel ein, ob in Nicaragua oder Deutschland. Der Autor hat Wegbereiter des fairen Handels in Nicaragua und Deutschland getroffen, den ersten Kaffeeeinkäufer des fairen Handels ebenso wie die Kleinbauern auf Kaffee- und Kakaoplantagen, die Textilarbeiterinnen einer Freihandelszone für Textilien ebenso wie Milchbauern in Süddeutschland. Er dokumentiert die Entwicklung der fairen Handelsidee zwischen Ideal und Kommerz.
Der Himmel über Berlin
Oder: Die Rückkehr der Götter
Von Oliver Sturm
Mi, 04.04.2012 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Die Sehnsucht, in einer höheren religiösen Ordnung aufzugehen und alle täglichen Belastungen zu transzendieren, ist größer geworden. Der Einzelne bekennt sich offener als früher zu einer Religion.
Und dennoch formen die religiösen Gemeinschaften im sozialen Gefüge der Stadt versteckte Subgesellschaften mit eigenen Regeln und Hierarchien.
Die Gesellschaft der religiösen Communities ist eine Welt im Verborgenen und bildet gleichwohl ein energetisches Netzwerk von ungeheurer Kraft.
Worstcase Black Out
Wenn das Internet die Gesellschaft lahmlegt
Von Stefan Heckmann
Mi, 04.04.2012 22.05-23.00 SWR2 Feature
Tag X in Deutschland. Ein Supertrojaner namens Spytool legt landesweit kritische Infrastrukturen lahm. Zahlreiche Behörden und Unternehmen sind von dieser Cyber-Attacke massiv betroffen. Weite Teile des öffentlichen Lebens kommen zum Erliegen, nichts geht mehr. Dies ist das Szenario des Amtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), mit dem es sich in seiner aktuellen "länderübergreifenden Krisenmanagementübung/Exercise", kurz LÜKEX auf diesen Tag vorbereiten will. Aber wie plausibel ist eine solche Cyberattacke, welche Auswirkungen hätten die Angriffe tatsächlich auf die Bürger und wie würden die Betroffenen auf die Katastrophe reagieren? Wie verändern Gefahrenlagen im Internet unser alltägliches Leben? Das Feature geht der Frage nach, wie der Staat sich darauf vorbereitet.
Wie US-amerikanische Fans das Radiohörspiel zu Grabe tragen
Von Christian Blees
Fr, 06.04.2012 11.05-12.00 DLF Feature
Alljährlich im Herbst treffen sich in einem Hotel vor den Toren New Yorks jeweils rund 1000 Fans, um die "Golden Days Of Radio" jeweils in Form von Diskussionsrunden, Vorträgen und Live-Hörspielaufführungen wieder auferstehen zu lassen - jene Ära der 30er- und 40er-Jahre, in der das Radio in den USA als unangefochtenes Unterhaltungsmedium Nummer Eins galt.
Damals nutzten Hollywoodstars wie Marlene Dietrich, Cary Grant oder James Stewart vor allem populäre Hörspielsendungen, um Werbung für ihre aktuellen Kinohits zu machen.
Das 36. Jahrestreffen im Oktober 2011 war allerdings unwiderruflich das letzte seiner Art: Die (überwiegend männlichen) Fans sterben allmählich ebenso aus wie die Gaststars aus den goldenen Zeiten.
Das Feature erinnert mithilfe von Interviews und zahlreichen Originalausschnitten populärer Sendungen an die glanzvollen Tage US-amerikanischer Radiokunst.
Am Anfang war das Wort -
Von Geschichten und Geschichtenerzählern
Von Inge Kurtz
So, 08.04.2012 18.05-19.00 hr2 radioFeature
„Menschen wollen Geschichten erzählt bekommen, überall auf der Welt. Deshalb müsste der Mensch von der Wissenschaft nicht als Homo sapiens – der wissende Mensch –, sondern besser als Homo narrans – der erzählende Mensch – bezeichnet werden“, schreibt der Schriftsteller Henning Mankell.
Erzählen heißt erinnern, das Verschüttete wieder heraufholen und bewältigen. Erzählungen von Zeitzeugen in Erzähl-Cafés, in Schulen oder in den Medien, Märchenerzähler im Kindergarten, Erzählen auf dem Theater belegen das neu erwachte Interesse an mündlich überlieferten Geschichten.
Posted by Ute Kleiber in
HÖRFUNKTIPPS
Friday, March 23. 2012
Hate Radio
"Radio-Télévision Libre des Mille Collines" und der Genozid in Ruanda
Von Milo Rau
Di, 27.043.2012 19.15-20.00 DLF Feature
Die Hilfmittel, mit denen im Frühjahr 1994 in Ruanda mehr als 800000 Angehörige der Tutsi-Minderheit ermordet wurden, waren denkbar einfach - Macheten, Knüppel, einige wenige Gewehre. Doch das wohl wichtigste Instrument des Genozids war das ›Radio-Télévision Libre des Mille Collines‹ (RTML).
Dort verkündete ein Moderator: "Alle, die ihr uns zuhört, erhebt euch, sodass wir alle für unser Ruanda kämpfen können. Wir müssen den Tutsi ein Ende bereiten, sie auslöschen, aus dem Land herausfegen." RTML produzierte in seinen Programmen eine Atmosphäre aus ruhiger Autorität, hysterischer Mordlust und entspanntem Entertainement. Die Grooves der neuesten kongolesischen Bands und aggressive Rassenideologie befeuerten die Mordlust der Täter, die Moderatoren koordinierten mit Befehlen und Empfehlungen den Fortgang der Massaker.
Werden Sie Soldat in der Einsatzarmee!
Der Kampf der Bundeswehr um Nachwuchs
Von Anja Kempe
Mi, 28.03.2012 00.05-1.00 DR Kultur Feature
Große Werbe-Trucks ziehen über Land. "Nicht nur Siemens oder die Telekom, auch wir haben was zu bieten, gute Bezahlung, Herausforderung und Abwechslung, einen sicheren Arbeitsplatz!".
Die Truppe trommelt, was das Zeug hält. Zeit- und Berufssoldaten können nicht mehr aus dem Pool der Wehrpflichtigen gewonnen werden, und für den Freiwilligendienst interessieren sich nicht einmal ein Prozent der Jugendlichen, um die sich die Bundeswehr aktiv bewirbt.
Von der Hardthöhe beauftragte Unternehmensberater bescheinigen dem Arbeitgeber Bundeswehr einen "eklatanten Makel": den Wettbewerbsnachteil Auslandseinsatz.
Streit um Ghettorenten
Der Richter und die Opfer
Das mühsame Ringen um die Ghettorenten
Von Julia Smilga
Sa, 31.03.2012 13.05-14.00 BR2 radioFeature
Reichen fünf Kartoffeln oder ein Teller Suppe am Tag aus, um einen Anspruch auf Rente zu haben? Konnten sich Juden im Ghetto ihre Arbeit frei aussuchen? An wen wurden Rentenbeiträge für sie bezahlt? Diese makabren Fragen beschäftigten jahrelang deutsche Rentenversicherungen und Gerichte. Jahrelang haben 70 000 Überlebende des Holocaust um ihre Rente gekämpft. Die meisten vergeblich: 90% der Anträge wurden abgelehnt. Mit der Begründung, Rente gebe es nur für freiwillige Arbeit und angemessene Bezahlung. Die Wende kam erst, als ein Richter am Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Jan-Robert von Renesse, daran ging, Historiker in aller Welt als Gutachter einzusetzen und hochbetagte Antragsteller in Israel persönlich über die Umstände ihrer Arbeit im Ghetto zu befragen. Er wies nach, dass es im Ghetto tatsächlich in gewissem Maß freie Entscheidungen und entlohnte Arbeit gab. 2009 wurde die deutsche Rechtsprechung geändert und der Zugang zu den Ghettorenten erleichtert. Inzwischen waren schon viele der Opfer gestorben. Zehntausenden Überlebenden aber hat der Richter zu ihrem Recht verholfen. Verloren hat er selbst. Nach seinem größten beruflichen Erfolg ist Richter von Renesse ins berufliche Aus katapultiert worden. Im April 2010 wurde er von allen Ghettofällen abgezogen, statt dessen hat er Behindertenausweise zu prüfen. Jetzt erhebt Richter Renesse schwere Vorwürfe gegen seine Kollegen, von denen er sich gemobbt fühlt. Und er klagt gegen seinen Arbeitgeber, wehrt sich gegen Eingriffe in die richterliche Unabhängigkeit. Die Justiz tut sich schwer mit einem Juristen, der seine richterliche Verantwortung ernst nimmt - und mit der Aufarbeitung auch des womöglich letzten Kapitels der Nazi-Geschichte.
"Brilliante Geschäfte"
Antwerpens neue Diamantenkönige
Von Sven-Claude Bettinger
So, 01.04.2012 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag
80 Prozent aller Rohdiamanten der Welt und die Hälfte der geschliffenen Steine wechseln in Antwerpen den Eigentümer. Die Führungsposition steht allerdings unter Druck. Bombay, Dubai, Hongkong oder Tel Aviv, die näher an den neuen Absatzmärkten liegen, entwickeln sich rasant zu wichtigen Konkurrenten. In der Scheldestadt haben Jains geräuschlos die jahrzehntelange Monopolstellung der jüdischen Händler gebrochen. Die global operierenden Konzerne der Inder haben Handel, Schleifen und Schmuckherstellung integriert. Sie nutzen billige Arbeitskräfte in Asien. Im "Jerusalem des Nordens" nimmt bittere Armut zu. Sie steht im schrillen Kontrast zu Betrugsfällen in dreistelliger Millionenhöhe, die in Antwerpen regelmäßig ans Licht kommen.
Die verborgene Opposition
Von Christoph Burgmer
So, 01.04.2012 18.05-19.00 Hr2 radioFeature
Im Iran herrscht gespenstische Ruhe. Dabei war es die iranische Studentenbewegung, die 2009 mit Massenprotesten ein Beispiel gab für die Nutzung neuer Medien im Widerstand gegen autoritäre Regimes.
Doch während die Proteste in Tunesien oder Ägypten politisch Wirkung zeigten, wurden sie im Iran blutig niedergeschlagen. Es folgte eine radikale Islamisierung des Bildungssystems: Bücher, Filme, Zeitungen und Zeitschriften, Facebook und Twitter wurden zensiert und verboten. Wie reagieren die Studierenden auf ihre totale Überwachung?
Anything Ghost
Von Phantom- und Auftragsschreibern
Von Nils Binnberg
So, 01.04.2012 20.05-21.00 DLF Freistil
Seit der Pop in den Journalismus eingewandert ist, wird nicht mehr ausschließlich im Literaturbetrieb das eigene Leben von anderen "geskriptet". Im Dienst des Entertainments wird in den Medien ein Etikettenschwindel praktiziert, der die Beteiligten zum Versteckspiel zwingt.
Die Multi-Medienpräsenz lässt sich nur durch einen kleinen Hofstaat realisieren. Die Generation "Copy & Paste" gewährleistet die Weiterverbreitung.
Während der Star auf seiner Jacht an der Côte d'Azur weilt, beantwortet der Ghostwriter die Interviews zu Hause am Schreibtisch, twittert Kurznachrichten und frischt den Status auf Facebook auf.
Dabei hat er seinen Chef noch nie zu Gesicht bekommen. Wie viel Künstler steckt in seinen Interviews? Und wie viel Kunst beherrscht die digitale Bohème?
|
|
|