Homepage von Jürg Häusermann

Medienwissenschaft, Radio, Rhetorik, Hörbuch


Friday, August 13. 2010

Radiotipps für die Woche vom 23. bis 29. August 2010


Die Americana-Krähe
Auf der Suche nach Tom Waits

Von Jochen Marmit
Mi, 25.08.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Die amerikanische Krähe lebt am Rande großer Städte und ernährt sich von den Brosamen der Zivilisation. Auch Tom Waits siedelt am Rande der Gesellschaft. Nicht nur, weil er aus Sperrmüll einzigartige Instrumente baut, er singt vor allem von Menschen, die den amerikanischen way of life nicht gehen wollen oder können. Seine Songs geben diesen Außenseitern eine Stimme: kaputt und melancholisch, liebestrunken, lustvoll, whiskeyselig - auf der Bühne wie auf der Leinwand.
Die Dokumentation folgt den wichtigsten Stationen seines Lebens: von Los Angeles, wo Waits sich als alkoholisierter Post-Beatnik entwarf; nach New York, wo er seine Frau und Muse Kathlin Brennan kennenlernte; zurück nach Nordkalifornien, wo der dreifache Vater heute lebt. Zu Wort kommen Weggefährten, Kritiker, Kollegen, Fans und der Meister selbst.

Ägypten 2.0
Die Macht der Blogger

Von Thilo Guschas
Sa, 28.08.2010 | 18.05-19.00 | DR Kultur Feature
Wer in der Google-Bildersuche "Ägypten" eintippt, soll nicht mehr nur Fotos von Pyramiden zu sehen bekommen, sondern Bilder von Polizeifolter. Das ist nur eines der vielen ambitionierten Ziele kritischer Ägypter. Das Netz ist ihr Medium. Indem sie Missstände im eigenen Land an die Weltöffentlichkeit bringen, wollen sie einen politischen Wandel erzwingen.
Wirksamstes Mittel sind Blogs: Internet-Tagebücher, die mit Videoclips, TV-Mitschnitten und Protest-Songs eine unzensierte Sicht auf die Verhältnisse bieten. Das Spektrum ist breit, es gibt auch Zwischentöne und abwägende Kritik. Das Internet ist zu einer politischen Instanz in Ägypten geworden.

Spuren in eine andere Zukunft
Der Alternative Nobelpreis - und was daraus wurde...

Von Geseko von Lüpke
Sa, 28.08.2010 | 14.05-15.00 | BR2 radioFeature
Ökologische, soziale und wirtschaftliche Probleme haben bei vielen Menschen eine enorme Fantasie und Kreativität geweckt. Überall auf der Welt sind grüne Sprösslinge aus verbrannter Erde gewachsen: zahllose lokale Initiativen, die Gegenmodelle erdacht und friedlich umgesetzt haben. Sie handeln statt zu resignieren, und sie legen wie Pfadfinder Spuren in eine bessere Zukunft.
Seit 30 Jahren arbeitet die „Right Livelihood Foundation“ daran, die vielversprechendsten Zukunftsprojekte in aller Welt ausfindig zu machen; mit dem „Alternativen Nobelpreis“ verschafft sie ihnen weltweite Publizität: Vom Schutz der Umwelt, der kulturellen Vielfalt und der Menschenrechte bis zu einer gerechten Entwicklungspolitik auf der Basis einer nachhaltigen Ökonomie reichen die Initiativen. Als Gegenstrategie zur Globalisierung bauen sie auf lokale Stärke und ein neu erwachendes Selbstbewusstsein der Menschen in aller Welt, die ihre Zukunft wieder in die eigenen Hände nehmen. Sie sprachen schon über ‚Nachhaltigkeit’, lange bevor dieser Begriff ins Vokabular der Politiker aufgenommen wurde. Sie bauten schon an einer anderen Welt, bevor die Rede war von ‚no future’. Und ihr Erfolg macht sie längst zu Modellen für eine gerechte, friedliche und ökologische Zukunft. Die mit diesem Preis ausgezeichneten Aktivisten haben begriffen, dass kein lokales Problem isoliert vom Rest der Welt zu lösen ist, aber die Welt als Ganzes sich nicht ändern wird, wenn nicht im Kleinen damit begonnen wird.

Die hohe Kunst der Beleidigung
Von Rolf Cantzen
So, 29.08.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Einen Ordnungshüter so zu nennen, wie einst Joschka Fischer den Bundespräsidenten "mit Verlaub" genannt hat, kann teuer werden. Der Fußballprofi Stefan Effenberg zahlte 100.000 Euro Strafe für ein schlichtes "Arschloch" bei einer polizeilichen Verkehrskontrolle. Interessanter sind subtile Beleidigungen wie die sogenannten "Schmähkritiken", "ehrverletzende Tatsachenbehauptungen" oder satirische Zeichnungen. Die Grenzen zur legitimen Meinungsäußerung sind hier fließend. Öffentliche Persönlichkeiten müssen sich hier – die Rechtsprechung zeigt dies – einiges gefallen lassen. Im eher robusten Feld der Politik entwickelt sich die Beleidigung selten zur hohen Kunst, eher schon bei Philosophen und Schriftstellern.












 

Friday, August 13. 2010

Radiotipps fü die Woche vom 16. bis 22. August 210


"Angekummen in Berlin"
Die vergessenen Shtetels der Stunde null

Von Gabriel Heim
Di, 17.08.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Es sollte ein Übgergang sein, aber es wurden oft Monate oder Jahre. Sie wollten nach Palästina oder in die USA. Doch zunächst ging es für 80.000 Juden 1946 nach Berlin.
S-Bahn-Station Schlachtensee; der grüne Süden Berlins. Nichts erinnert heute daran, dass die Amerikaner hier 1946 das größte Transitlager der Westsektoren für die 80.000 Juden errichtet hatten, die sich bis zum Sommer 1948 nach Berlin retteten.
Sie kamen aus den Lagern, der Zwangsarbeit, aus ihren Verstecken oder aus den fernen Sowjetrepubliken, wohin sie von Stalin deportiert worden waren. Sie alle wollten weiter nach Palästina oder in die USA. Berlin war für sie nach Jahren der Verfolgung und der Entbehrung der erste Ort, um sich wieder dem Leben zuzuwenden.
Die Transitlager entwickelten sich zu kleinen jüdischen Städten mit Schulen, einer Zeitung, Werkstätten, Ärzten, koscherer Küchen und einer Synagoge. Es wurde Theater gespielt und über Politik debattiert. Die Hagana versuchte, junge Frauen und Männer für den Krieg in Palästina anzuwerben.
1948 löste General Eisenhower die Lager zu Beginn der Berlin-Blockade auf. Die letzten 6000 Juden wurden nach Westdeutschland ausgeflogen.

Scuse me while I kiss the sky
Jimi Hendrix zwischen Himmel und Hölle

Von Lothar Nickels
Mi, 18.08.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Ob Flucht aus der Armee, Auswanderung nach England oder das unstillbare Verlangen nach Frauen - Jimi Hendrix war ruhelos, nie zufrieden mit seiner Umwelt, nie mit sich selbst. Mit 27 Jahren starb er am 18. September 1970 an einer Überdosis Schlaftabletten.
Seine experimentelle und innovative Spielweise wurde von vielen seiner Kollegen bewundert. Auf die Frage, wie er seine Songs schreibe, sagte Hendrix: "Ich träume 'ne Menge, und viele dieser Träume tauchen in meinen Songs auf."

Ein Botschaftsgarten voller Gäste
Als Diplomat im Sommer '89 in Budapest

Von Marianne Wendt und Christian Schiller
Sa, 21.08.2010 |18.05-19.00 | DR Kultur Feature
Im Sommer 1989 fliehen hunderte DDR-Bürger in die bundesdeutsche Botschaft in Budapest. Während Detlof von Berg, der ständige Vertreter der BRD, im engen Korsett des Diplomaten an einer politischen Lösung arbeitet, droht die Situation zu eskalieren.
Überfüllte Schlafräume, Schlangen vor den Toiletten, und niemand weiß, wie lange das Provisorium dauern wird. Im neu errichteten Lager finden über 36 000 Flüchtlinge Schutz, doch schnell wächst die Angst vor dem langen Arm der Staatssicherheit.
Detlof von Bergs Rückblick wird ergänzt durch die Erinnerungen von zwei DDR-Flüchtlingen und der Tochter des Diplomaten. Ein ungarischer Sommer, der Geschichte machte.

Auf der Suche nach dem verlorenen Ich
Die verschleppten Kinder der Plaza de Mayo

Von Erika Harzer
Sa, 21.08.2010 | 14.05-15.00 | BR2 radioFeature
Argentinien ist zur Zeit dabei, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Endlich untersuchen die Gerichte die Verbrechen, die während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 begangen wurden, und ziehen die Täter zur Verantwortung. Mord und Entführung der politischen Gegner waren an der Tagesordnung. An die 30 000 Menschen sind damals spurlos verschwunden. Noch immer suchen Angehörige auch nach einigen der etwa 400 Kinder, die den Gegnern des Regimes geraubt wurden, nach jungen Männern und Frauen, die als Babies fremden Eltern unterge¬schoben wurden und heute um die 30 sind. Die Suchenden sind die Großmütter der Plaza de Mayo, eine Reihe engagierter Frauen, die sich zusammengeschlos¬sen haben, um ihre Enkelkinder zu finden.
Eine dieser Großmütter ist Buscarita Roa. Im November 1978 verschleppten die Militärs ihren Sohn, die Schwiegertochter und ihre 8 Monate alte Enkelin Claudia. Im Februar 2000 endlich fand sie das geraubte Baby als junge Frau wieder. Auch die heute 30-jährige Maria Victoria „Vicki“ Moyano Artigas gehört zu den Kindern, die in der Zeit der Militärdiktatur ihrer Identität beraubt wurden. Sie wurde in einem der vielen gehei¬men Folterzentren geboren und kurz danach ihrer Mutter weggenommen. Als 9-Jährige er¬fuhr sie im Januar 1988, wer ihre wirklichen Eltern waren und dass die, die sich bisher als ihre Eltern ausgaben, mit den Militärs kooperiert hatten. Vicki und die 5 Tage ältere Roxana lernten sich kennen bei Aktionen für die Aufhebung der Amnestiegesetze, die die Täter lange Zeit vor Verfolgung schützten. Über die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte ihres Landes suchen sie nun nach ihrer eigenen Identität.

Die Meisterdiebe Franz und Erich Sass und die 20er-Jahre in Berlin
Von Gabi Schlag
So, 22.08.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Es ist eine bemerkenswerte Geschichte. Die Geschichte der Meisterdiebe Franz und Erich Sass. Von 1925-1935 hielten die beiden Ganoven Berlin in Atem. Sie waren die Lieblinge der Presse und der Berliner. Nach ihren Einbrüchen gaben sie Pressekonferenzen im Restaurant Lutter und Wegner, und sie waren das Vorbild für Paul Gurks Roman "Tresoreinbruch" (Berlin 1935). Von der Polizei wurden sie gejagt, verhört, in Untersuchungshaft gesperrt, aber letzten Endes immer wieder wegen Mangel an Beweisen auf freien Fuß gesetzt. Ihr Gegenspieler, der Kriminalkommissar Max Fabich, hatte im Laufe der Jahre ein fast freundschaftliches Verhältnis zu den beiden entwickelt.
Ihr größter Coup: die Diskontobank am Wittenbergplatz. Sie leeren alle Safes und verstecken den Schatz. Bis heute weiß niemand, wo. Nur Max Fabich war sich sicher: irgendwo im Grunewald.
Mit der Machtergreifung Hitlers fliehen die Brüder nach Dänemark, vier Jahre später werden sie an Nazideutschland ausgeliefert, in das KZ Sachsenhausen gebracht und vom späteren Auschwitzkommandanten Rudolf Höß ermordet.
Die Brüder Sass haben nie jemandem ein Haar gekrümmt. Da hatten sie ihre Ehre. Und mit ihnen all die anderen Ganoven der 20er-Jahre in Berlin: Muskel-Adolf, Mollen-Albert, Klamotten-Emil und Palisaden-Ede und natürlich Aktien-Mietze. Die Geschichte der Gebrüder Sass führt uns in das Berlin der 20er-Jahre, zur Großstadtkriminalkultur und zu der Frage, warum echte Gauner eigentlich immer Moralisten sind - und ob es heute überhaupt noch welche gibt. Mit Einschüben aus dem Roman von Paul Gurk "Tresoreinbruch" (Berlin 1935).












 

Tuesday, August 10. 2010

Radiotipps fü die Woche vom 9. bis 15. August 210


Mit Grenzen leben
Die alte Militärstraße von Lissabon

Von Tilo Wagner
Di, 10.08.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Sie sind illegal, aber geduldet: Die Siedlungen außerhalb der Lissabonner Stadtmauer. Nun aber droht der Abriss. Jahrzehntelang gewachsene soziale Strukturen sollen Luxusbauprojekten weichen. Doch so leicht lassen sich die Siedler nicht vertreiben.
Im 19. Jahrhundert ließ das portugiesische Militär rund um Lissabon einen Festungswall bauen, der die Hauptstadt vor feindlichen Angriffen vom Land her schützen sollte. Ein Jahrhundert später nutzten Einwanderer aus dem ländlichen Portugal und später aus Afrika den planierten Streifen für ihre illegal errichteten Siedlungen. In dem geduldeten Provisorium haben sich über die Jahrzehnte längst feste lokale Gemeindestrukturen entwickelt.
Jetzt aber sind diese Lebensräume bedroht, weil sich die Grenzen der wachsenden Stadt verschieben und die besetzten Gebiete zurückgefordert werden, um neue, exklusive Bauprojekte zu realisieren. In den Plattenbauvierteln, die entlang der alten Militärstraße errichtet werden, zerbrechen die alten sozialen Bindungen der umgesiedelten Gemeinden. Kriminalität und gewaltsame Konfrontationen nehmen zu. Und es formiert sich Widerstand gegen die Umsiedlung.

Yolla
Eine Sängerin zwischen Paris und Beirut

Von Hala Alabdalla
Mi, 11.08.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Als junge Frau gehörte Yolla zur Gesangsgruppe von Marcel Khalifé in Beirut. Sie waren Linksaktivisten im Bürgerkrieg und flohen ins Pariser Exil. Nach ihrer Heirat wurde Marcel als Sänger und Oud-Spieler weltberühmt. Yolla widmete sich den Söhnen Rami und Bachar, die ebenfalls Musiker wurden. Nun wagt sie erste behutsame Schritte zu einer eigenen Gesangskarriere.
Wir hören Yolla im Studio, auf Metrofahrten durch Paris, bei der Gesangsstunde mit Yasmine Masri (bekannt aus dem Film "Caramel") und im Duett mit ihrer Mutter im Libanon. Ein atmosphärischer Einblick in Yollas Innenleben.

Spiegelbilder im Spannungsfeld
Identifikation und Rivalität unter Schwestern

Von Gabriele Bondy
Sa, 14.08.2010 | 14.05.-15.00 | BR2 radioFeature
Sie lieben sich, sie hassen sich. Und auch, wenn sie sich voneinander entfernen, bleiben sie doch ein Leben lang miteinander verbunden. Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen… oder können verschiedener nicht sein, innerlich wie äußerlich.
Sie gehen als Kinder Hand in Hand durch dick und dünn, oder bekämpfen sich. Wer bekommt die Rolle der Schönen, wer die der Klugen in der Familie zugewiesen?
Ist die eine Liebling des Vaters, so scheint die andere Liebling der Mutter zu sein.
Rivalinnen um Elternliebe und Aufmerksamkeit sind sie allemal, auch wenn es ihnen nicht immer bewusst ist.
Ob Erst- Zweit- oder Drittgeborene, die Reihenfolge beeinflusst das Selbstbewusstsein auf allen Ebenen. Ob leibliche Schwester, Halb- oder Stiefschwester, die Schwester ist auch das Spiegelbild der eigenen Seele und Befindlichkeit.
Wer ist die Gute? Wer ist das Biest?
Wer dominiert? Wer passt sich an? Die Schwester ist die erste Beraterin, aber auch Konkurrentin, wenn es um Männer geht. Und die Beziehung zur Schwester wird oft Muster für andere Kontakte zum weiblichen Geschlecht.
Gabriele Bondy trifft Frauen, die zum Thema „Meine Schwester(n) und ich“ einiges zu sagen haben. Sie ergänzt ihre Spurensuche mit Belegen aus Literatur und Humanwissenschaften. So wird die Sendung zum Psychogramm einer spannungsreichen Beziehung.

Futureflashback (2)
Willkommen im History Adventure Park 2500!

Von Ulrich Land
So, 15.08.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Was bleibt und was verschwindet? Was überdauert unsere Gegenwart? Und was sagt es unseren Nachfahren? Nach den materiellen Hinterlassenschaften unserer Zeit fragt Autor Ulrich Land im zweiten Teil seiner Zukunftsreise ins Jahr 2500 nach den ideellen Werten. Wenn schon von unseren Bauwerken nur Stahlbetongerippe, AKWs und Schuttkegel, von unseren Autos nur die Fahrgestelle, von unserer bildenden Kunst allenfalls die Grabengel übrig bleiben, was wird dann aus unseren Filmen, den Museen und Bibliotheken, aus den Radiowellen, die wir in den Äther schicken, was aus unserer Rechtsordnung? Unsere Gegenwart aus der Zukunft betrachtet.












 

Monday, August 2. 2010

Radiotipps für die Woche vom 2. bis 8. August 2010


"Verzehr auf eigene Gefahr"
Eine Essensausgabestelle in Berlin

Von Johanna Olausson
Di, 03.08.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Auf den Kirchenbänken warten Studenten, schlecht gelaunte ältere Männer, Frauen mit Kopftüchern und ein sehr junges Paar mit einem Säugling. Als im Mittelgang ein Kreisel aufgezogen wird, kommt Unruhe auf.
Einige stehen auf, um besser sehen zu können, wo der Kreisel hält. Das entscheidet, wer zuerst drankommt. Diese Szene spielt sich jeden Samstag in der "Kirchengemeinde an der Panke" im Berliner Wedding ab.
Ehrenamtliche Mitarbeiter des Projekts "Laib und Seele" verteilen hier Nahrungsmittel an Bedürftige, die in den Geschäften nicht mehr verkauft werden können. Eine ältere Dame, die neben einem Schild mit der Aufschrift "Verzehr auf eigene Gefahr" Joghurt verteilt, schimpft: "Manche meckern dann immer, dass das Datum abgelaufen ist." Ein Mitarbeiter, der im Hof halb verwelkte Rosen verteilt, begrüßt eine Familie, die in der Schlange steht überaus freundlich und sagt: "Die gehören hier zu unseren Dauergästen." In dem kleinen Kosmos, der hier jeden Samstag zusammenfindet, kennt jeder jeden.

Oscars mythische Welten
Wie ein Schweizer nach Brasilien zog und sein Macondo fand

Von Constanze John
Fr, 06.08.2010 | 20.10-21.00 | DLF Feature
Oskar hat sich in der brasilianischen Hochebene Chapada dos Veadeiros einen Namen gemacht. Man erzählt sich von ihm. Sogar noch in der 200 Kilometer entfernten Hauptstadt Brasilia. Oskar ist ein stiller Mann. Aber um ihn herum geschehen die Geschichten. Überhaupt ist die Chapada voller Geschichten.
Von einem Portal in die Zukunft wird erzählt, von einer unterirdischen Stadt und von magisch anziehenden Bergen. Man fühlt sich erinnert an das Macondo, den fiktiven Ort aus "Hundert Jahre Einsamkeit" des Kolumbianers Gabriel García Márquez. Das Mythische und das Reale vermischen sich schwindelerregend, und geerdet bleibt nur, wer hier auch seiner Arbeit nachgeht: als Landarbeiterin, als Leiterin eines Kinderdorfes, als Kulturbotschafter oder Wissenschaftler. Oder eben als der Wärter des Mondtals, des Vale da Lua. Denn Oskar, der Einwanderer aus der italienischen Schweiz, führt gemeinsam mit seiner brasilianischen Frau Marie eine Pousada. Seine Herberge ist immer voller Gäste.

Alice findet Wunderland
Junge Migranten mit JuMBO in die Arbeitswelt

Von Regina Leßner
Sa, 07.08.2010 | 18.05-19.00 | DR Kultur Feature
JuMBO steht für Junge Migranten/Beruf & Orientierung und verspricht den Teilnehmern, Migranten unter 25 Jahren, den Einstieg ins Arbeitsleben. Auch die Mitarbeiter des Projekts haben einen Migrationshintergrund. Die Hamburger Initiatoren beteiligten sich mit JuMBO am Ideenwettbewerb "Jugend in Arbeit" und gewannen 2006 den Landesförderpreis.
Im Bundeswettbewerb dann wurde JuMBO als eines der innovativsten Modelle zur Berufsintegration in Deutschland gekürt - vom Land, vom Bund und aus dem Europäischen Sozialfonds mit 1,2 Millionen Euro pro Jahr "gesponsert".
Über die Realität berichten Kaljan, Jalda und Zaynab, die als 1-Euro-Jobber von ihrer Arbeitsagentur zu JuMBO geschickt wurden.

Total normal
Annäherung an das Mittelmaß

Von Wiebke Matyschok
Sa, 07.08.2010 | 13.05-1400 | BR2 radioFeature
Das durchschnittliche deutsche Wohnzimmer befindet sich in Hamburg. Durchschnittlich groß, durchschnittlich hell, durchschnittlich freundlich. Eingerichtet von den Kreativen einer Werbeagentur nach dem Geschmack des Otto-Normalverbraucher oder den nach Kriterien der Marktforschung ermittelten Verkaufszahlen. Willkommen im häufigsten Wohnzimmer der Republik! Familie Mustermann, die eigentlich Müller oder Schmidt heißen müsste, fühlt sich wohl zwischen Sitzgruppe mit Bezügen aus pflegeleichtem Kunstleder in gedecktem Orange, heller Anbauwand mit Kunststoffoberflächen in Holzoptik und Kunstfaser-Auslegeware in Blau. Die Glasplatte des Couchtischs zieren Rosen, ein Glas mit Salzstangen und die Fernbedienung für den großen Fernseher. Außerdem besitzen Vater Thomas, 42 Jahre alt, Mutter Sabine, 39 Jahre alt, Sohn Alexander, 12 Jahre alt, plusminus 30 Bücher. „In der Mitte wirst Du am sichersten gehen“, gab der antike Dichter Ovid einst eine Weisheit von sich. Den Zeitgeist moderner Zeiten scheint er damit kaum zu treffen. Da wird allseits das Streben nach dem Besonderen, dem Außerordentlichen, die Zugehörigkeit zu einer „Elite“ beschworen. Aber Durchschnitt? Oder: Mittelmaß? Wer will schon nur von sich sagen können, dass er gerne nur dem Durchschnitt entspricht? Ist das Mittelmaß nicht eigentlich doch das Maß der meisten Dinge? Oder ist der Mittelwert nur eine statistische Größe, die bloß vermeintlich Normalität abbildet?

Futureflashback (1)
Willkommen im History Adventure Park 2500!

Von Ulrich Land
So, 08.08.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Was bleibt und was verschwindet? Was überdauert unsere Gegenwart? Und was sagt es unseren Nachfahren? Welche Schlüsse ziehen kommende Generationen aus den Ruinen unserer Zivilisation? Denn wir hinterlassen eine ganze Menge: Asphalt, Beton und Marmor, Brücken und Schlösser, Autobahnen und Atomkraftwerke. Und was noch? Wie groß sind Haltbarkeit und Halbwertzeit der Monumente unserer Zivilisation? Eine akustische Reise durch einen archäologischen Erlebnispark im 25. Jahrhundert zeigt, was möglich und unmöglich ist und welche Aussichten die Zukunft auf unsere Gegenwart bietet. Schnallen Sie sich an und heben Sie ab! (Teil 2, Sonntag, 15. August, 14.05 Uhr)









 

Monday, July 26. 2010

Radiotipps für die Woche vom 26. Juli bis 1. August 2010


Joachim Gauck im Gespräch mit Walter Langlott
Streiter gegen das Vergessen

Von Otto Köhler
Mo, 26.07.2010 | 23.05-23.30 | SWR2 ARD Radiofestival DLF Feature - Das Gespräch
Als ehemaliger Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde hat Joachim Gauck eine besondere Berühmtheit erlangt: Sein Name stand für die von ihm geleitete Behörde. Der einstige Pfarrer aus Rostock und Mitbegründer des Neuen Forums ist in den zehn Jahren seiner Tätigkeit vom bloßen Aktenverwalter zur obersten Instanz der deutsch-deutschen Vergangenheitsbewältigung geworden. In zahlreichen Publikationen befasst er sich mit der „Würde der Unterdrückten“ und sieht den „Untertan als Bewohner der Moderne“. Heute leitet Gauck in Berlin den Verein „Gegen das Vergessen – Für Demokratie“, weil er die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit nicht den kommenden Generationen überlassen will. Die Akten einer Diktatur, so Gauck, seien die Apotheke gegen Nostalgie.

Etwaige Belastungen
Der Bund der Vertriebenen sucht seine Vergangenheit

Von Otto Köhler
Di, 27.07.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
"Durch Wahrheit zum Miteinander". So lautet das Leitwort für 2010 des Bundes der Vertriebenen, der in diesem Jahr sein secchzigjähriges Bestehen begeht. Doch gilt das Credo auch in Bezug auf mögliche "nationalsozialistische Belastungen" in der Vergangenheit.
Eine "Machbarkeitsstudie" des Bundes der Vertriebenen, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, hat die Aufmerksamkeit mancher Medien erregt. Diese Studie über "etwaige nationalsozialistische Belastungen früherer BdV-Repräsentanten" wurde - zum Teil sogar auf eigene Kosten - in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte erarbeitet und hat zu keinem abschließenden Ergebnis geführt.
Das Material war lediglich eine "Entscheidungshilfe" für den BdV, ob es "sinnvoll" sei, eine umfangreiche Studie "über diesen Themenkreis" erstellen zu lassen. Die Sinnhaftigkeit einer solchen Studie wurde inzwischen vom Bund der Vertriebenen bejaht, der das Institut für Zeitgeschichte mit ihrer Ausarbeitung beauftragte. Sie soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden, zum 60. Jahrestag der Verkündung der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen". Das Feature fragt, wie das nach sechs Jahrzehnten nie hinterfragter Verbandsgeschichte machbar sein kann.

So long good-bye
Von Harun Farocki
Mi, 28.07.2010 | 0.05-1.00 | DR Kultur Feature
In den Hansa-Studios in Berlin wird im April 1977 in 18 Stunden eine Disco-Single von drei Minuten Länge produziert, die auf der Erfolgswelle von Boney M. und Donna Summer in die Plattenregale schwappen soll.
Harun Farocki hat diese Produktion von Anfang bis Ende aufgezeichnet: Die Studiomusiker spielen die Noten prima vista, sie kennen weder Titel noch Namen der Gruppe, unter dem die Single verkauft werden wird. Die aus New York eingekaufte Sängerin hat leider nicht die Stimme, die man erwartet. Rhythmusgruppe und Chor sind unterbesetzt. Aber all das kann eine mit einer 24-Spur-Maschine gerüstete Produzententruppe nicht schockieren.
Die Sendung ist ein entlarvendes Zeitdokument über Professionalität und Stümperhaftigkeit in der Musikindustrie.

Bloody Sunday
Ein Blutbad in Nordirland und der schwierige Weg zu Wahrheit und Versöhnung

Von Matthias Fink
Sa, 31.07.2010 | 14.15-15.00 | BR2 radioFeature
Bernadette Devlin wollte gerade mit ihrer Rede beginnen, als die ersten Schüsse fielen. Wenn sie an diesen 30. Januar 1972 zurück denkt, als in der nordirischen Stadt Londonderry vierzehn unbewaffnete Demonstranten von britischen Fallschirmjägern erschossen wurden, kommen ihr zwei Worte in den Sinn: "blanker Terror". Ein halbes Jahr später erklärte der damalige oberste Richter Großbritanniens, die Toten und Verletzten hätten quasi selbst Schuld, weil sie an einer nicht genehmigten Demonstration teilgenommen hätten. "Das bedeutete, man konnte uns praktisch ungestraft tot schießen," erklärt die damalige Abgeordnete Bernadette Devlin. Deshalb tauchten nach diesem unseligen Sonntag so viele junge Männer zur Untergrundarmee IRA ab - Bloody Sunday, der endgültige Weg in ein Jahrzehnte währendes Blutbad.
Jetzt liegt der Bericht der größten Untersuchungskommission in der Geschichte Großbritanniens vor. Zwölf Jahre hat sie recherchiert. 240 Millionen Euro hat es den Staat gekostet. Der 5000 Seiten dicke Regierungsreport gibt eindeutig der britischen Armee die Schuld am Bloody Sunday. Premierminister David Cameron hat sich im Namen der Regierung und des ganzen Landes für die Bluttaten entschuldigt.
Matthias Fink war zum 30. Jahrestag in Londonderry (irisch: Derry) unterwegs, um den schwierigen Weg zur Wahrheit zu erkunden.

Arnold Zweig – Konflikte eines Bürgers
Ein Feature von Marcel Reich-Ranicki aus dem Jahr 1960

So, 01.08.2010 | 19.15-20.00 | hr2-kultur | Historische Porträts
In diesem Feature setzt sich Marcel Reich-Ranicki analysierend und kommentierend mit dem Werk Arnold Zweigs auseinander. Dabei geht er ebenso auf die „Novellen um Claudia“ ein wie auf die Werke „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ oder „Das Beil von Wandsbek“.
Dabei entsteht die Skizze von Zweigs literarischem Weg, gleichzeitig ein kluges und lebendiges Porträt des Schriftstellers.












 

Monday, July 19. 2010

Radiotipps für die Woche vom 19. bis 25. Juli 2010


Der Eiger
Der Berg, auf dem man niemals ankommt

Von Peter Jaeggi
Mo, 19.07.2010 | 10.05-10.30 | SWR2 Leben
Als Andreas Heckmair am 24. Juli 1938 auf dem Gipfel des Eigers ankommt, stürzt er beinahe die Südseite hinunter. Das wäre Pech gewesen. Immerhin war er vor 72 Jahren der erste Mensch, dem es gelang, die Eigernordwand zu durchklettern. Die Eigernordwand galt lange Zeit als unbegehbar. Anfang 2008 stellte der Schweizer Ueli Steck einen neuen Weltrekord an der 1800 Meter hohen Steilwand: Durchsteigung in 2 Stunden und 47 Minuten. Warum er das tat, darüber spricht er in dieser Sendung.

Ein Märchen aus Bangladesch
Mikrokredite gegen Armut

Von Gerhard Klas
Di, 20.07.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Gruppenbild mit Frauen, gekleidet in bunte Saris, glücklich lächelnd: Bilder solcher Selbsthilfegruppen von Kreditnehmerinnen schmücken die Werbeprospekte zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Investmentfonds für die sogenannten "Mikrokredite".
30 Millionen Kreditnehmerinnen gibt es allein in Bangladesch. Das ist ein Fünftel der Bevölkerung dieses von Armut, Analphabetentum und Naturkatastrophen geplagten Landes.
Die Idee, Armen in der sogenannten Dritten Welt mit Kleinkrediten zu helfen, sich eine eigene Existenz aufzubauen, entstand in den 80er-Jahren. Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2006, erhielt Muhammad Yunus aus Bangladesch und seine Grameen-Bank für Verdienste im Kampf gegen die Armut den Friedensnobelpreis. Unternehmensvorstände und Bankmanager applaudierten: Der Kapitalismus funktioniere also auch für die Ärmsten der Welt.
Aber in Bangladesch selbst sind Mikrokredite sehr umstritten. Dort traf der Autor vor allem auf Frauen und Männer, für die die Mikrokredite zu einer schweren Bürde geworden sind.

Von Menschen- und Seelenfressern
Kannibalische Neuigkeiten aus der Alten und der Neuen Welt

Von Andreas Weiser
Mi, 21.07.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Kannibalismus gilt als das strengste Tabu der menschlichen Gemeinschaft. Wer es bricht, steht außerhalb der Gesellschaft oder ist Teil einer wilden Welt jenseits unserer Zivilisation. Aber stimmt unsere Vorstellung von der zivilisierten Welt? Andreas Weiser hat sich mit zwei Kulturwissenschaftlern und einem Medizinhistoriker auf eine Zeitreise begeben.
Zusammen mit Thomas Macho, Anna Bergmann von der Europa Universität Viadrina und Richard Sugg von der Durham University folgt er den Abenteuern des deutschen Söldners Hans Staden bei den brasilianischen Tupinamba-Indianern des 16. Jahrhunderts, erkundet den medizinischen Kannibalismus im Europa der frühen Neuzeit und fragt nach dem Umgang mit Tabus in der Hightech-Medizin der Gegenwart.

Bananen-Shake auf Island
Wie das Boomland auf den Hund kam

Von Hannelore Hippe
Fr, 24.07.2010 | 18.05-19.00 | DR Kultur Feature
Man kann die Geschichte des isländischen Dramas ganz kurz erzählen: 33 Isländer plündern ihr Land und machen sich aus dem Staub.
300 000 bleiben zurück mit Hypotheken, die sich verdoppeln, ohne Altersvorsorge, ohne Arbeit, da zwei Drittel aller Firmen vor dem Aus stehen und mit einer Währung, für die man sich nicht mehr viel kaufen kann. Dabei kam doch noch 2008 eine Studie der Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass Island das Land auf Erden sei, in dem es sich am besten leben lässt.
Die Autorin berichtet über die Hintergründe der Talfahrt ins Desaster und darüber, wie eine Handvoll Isländer mit Quark, Bratpfannen und Schneebällen endlich Neuwahlen erzwang.

Unter Saisonarbeitern
"Feldforschung" im Gemüseanbau

Von Arthur Dittlmann
Sa, 24.07.2010 | 14.05-15.00 | BR2 radioFeature
Die Krise macht's möglich: Polnische Saisonarbeiter strömen wieder auf die deutschen Erdbeer- und Gemüsefelder, um bei der Ernte zu helfen. In den letzten Jahren sind sie lieber nach England und Irland gegangen. Dort wurde besser bezahlt. Doch das Blatt hat sich gewendet, jetzt sind sie wieder mit Löhnen ab 5 Euro 70 für die Stunde Erdbeerpflücken, Feldsalatschneiden und Gelbe-Rüben-Waschen zufrieden. Und nehmen auch in Kauf, dass ihnen für Unterkunft, Verpflegung und Sozialabgaben noch mal kräftig was abgezogen wird. Manchen bleiben nach Schätzung der IG-Bau, der Gewerkschaft, die für sie zuständig ist, rund 2 Euro in der Stunde übrig. Ein Hungerlohn, und das bei körperlich sehr anstrengender Arbeit, oft unzureichenden Quartieren, desolaten hygienischen Zuständen. Die Gewerkschaft arbeitet darauf hin, ein Siegel für "faire Saisonarbeit" zu etablieren - bisher mit wenig Erfolg.
Alle Versuche, einheimische Langzeitarbeitslose in der Saisonarbeit zu beschäftigen, sind bisher fehlgeschlagen. "Am ersten Tag kommen sie, am zweiten Tag wissen sie alles besser, am dritten Tag sind sie krank", sagt ein Gemüseanbauer und freut sich, dass heuer endlich wieder genügend Polen und Rumänen zur Verfügung stehen.
Ist diese Arbeit tatsächlich so aufreibend? Was treibt die Menschen aus dem Osten zu uns, um hier diesen Knochenjob zu verrichten? Welches Bild haben sie von Deutschland? Was erträumen sie sich für ihr Leben? Warum nehmen sie diese Strapazen auf sich? Und: Wieso schaffen es hiesige Arbeitslose nicht, sich hier ihr tägliches Brot selbst zu verdienen?
Diese Fragen wollte Arthur Dittlmann beantworten - und deshalb ist er zur Hochsaison eine Woche selbst aufs Feld gegangen. Bei einem Gemüseanbauer im Nürnberger Knoblauchsland. Allein unter Saisonarbeitern, das Mikrophon war fast immer dabei.

macho ibérico – Galan und Gewalttäter
Neue Erkundungen zu einer alten Spezies

Von Rilo Chmielorz
So, 25.07.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Der iberische Macho erscheint auch heutzutage noch wie die Figur des Don José in der Oper "Carmen". Er verfällt in seiner Liebe einer blinden Eifersucht, und wenn und weil die Geliebte früher oder später einen anderen liebt, tötet er sie blind vor Zorn. Denn sie soll nur dem Macho allein gehören. Der attraktive spanische Galan, der gerne als starker Edelmann auftritt und es versteht, mit seinem erotischen Charme die Frauen zu verführen, entpuppt sich als unreife Persönlichkeit: macht- und kontrollbesessen kann er zum Gewalttäter werden.
Seit dem Wahlsieg der Sozialisten 2004 ist das Thema der machistischen Gewalt in Spanien in die öffentliche Diskussion gerückt. Alle sechs Tage stirbt eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Die Spezies Macho Iberíco scheint in die Krise geraten zu sein: Viele landen im Knast, einige in Selbsthilfegruppen, andere in therapeutischen Programmen.










 
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